Tent of Nations in schwierigen Zeiten

Ich habe oft über den Weinberg geschrieben, ihn meist auch bei meinen Aufenthalten in Palästina besucht, so zuletzt im Herbst 2019.

Natürlich hat die Corona-Pandemie auch starke Auswirkungen auf die Situation des Tent of Nations. Keine Volontäre keine Gruppen die den Weinberg besuchen können. Alles muss von der Familie Nassar selbst gemacht werden: Bewässern, pflanzen ernten. Aber gerade der fehlende Besuch auf dem Weinberg, in den letzten Jahren kamen jährlich fast 10.000 Besucher*innen bedeutet eben auch fehlende emotionale Unterstützung für die Menschen am Weinberg. Die Gruppen haben durch ihr Kommen, ihr Interesse immer auch deutlich gemacht, dass sie das Projekt unterstützen und das nicht nur durch den besuch, sondern eben auch in der Heimat.

Leider musste in diesen Coronazeiten auch die jährliche Vortragsreise von Daoud Nassar, die im September im Süd/Südwesten stattfinden sollte, abgesagt werden.

Daoud Nassar

Als kleine Unterstützungsleistung für Daoud uns seine Familie habe ich im Juli und jetzt am vergangen Freitag, eine Zoom-Video-Gespäch organisiert.

Insgesamt haben etwa 40 Personen diese Möglichkeit genutzt, von Daoud –  aus erster Hand sozusagen- etwas zur Situation auf und um den Weinberg zu erfahren. Für Daoud war es die Möglichkeit auf diesem Wege etwas von der Unterstützungskraft der vielen Menschen in Deutschland für sein Projekt zu erspüren. Derzeit fehlt ihm ja gänzlich die oft positive Kraft die durch die vielen Besucher*innen auf dem Weinberg vermittelt wird.Daoud hatte im Zoom-Gespräch schon angedeutet, dass es derzeit massive Probleme im Zusammenhang mit der Vermessung und Anerkennung der Landgrenzen gibt. Allerdings nicht nur (wie bisher) durch die israelische Militärverwaltung und die jüdischen Siedlern, sondern, und das ist neu, aber mindestens genauso gefährlich, durch die Einheimischen palästinensischen Nachbarn.Daoud hat mir hierzu in den letzten Tagen einen Bericht geschickt den ihr hier lesen könnt.
Ich habe mich deshalb, auf Bitten von Daoud, an die palästinensische Mission in Berlin gewandt und ein Telefonat zwischen Daoud und der Botschafterin Daibes vermittelt. Daoud erhofft sich durch die Mission Unterstützung bei seinen aktuellen Problemen durch die Benachrichtigung seitens der Mission an die PA in Ramallah.

Beim Zoom-Gespräch am letzten Samstag berichtete Daoud, dass die palästinensische Polizei die Täter kennt. Sie hätten behauptet, dass das Grundstück im Tal nicht der Familie Nassar gehört. Die Eigentumsfrage, bisher nur vor israelichen Gerichten ein Thema wird nun auch vor einem palästinensischen Gericht in Bethlehem zu klären sein.

Über Marius S. 360 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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