Besuch bei Freunden

Gestern bin ich mit meinen Freunden in die Westbank gefahren. Es waren Besuche auf Daher`Weinberg, in Bethlehem und bei Fatima in dem kleinen Wüstendorf Zaatara angesagt.

Wie üblich haben wir den palästinensischen Bur 231 (früher 21), der am Damaskustor startet und bis nach Bethlehem fährt, genommen. Normalerweise passiert er den Checkpoint an der Straße 60 die nach Hebron führt ohne Kontrolle. Bedingt durch die hier doch angespannte Situation, wurde der Bus mit seinen Insassen kontrolliert. Alle Palästinenser mussten aussteigen und ihre Ausweise zeigen. Touristen wie wir durften sitzenbleiben. Das gleiche „Programm“ wie es sonst nur bei der Einreise nach Israel praktiziert wird.

Blick auf das arabische Dorf Nihilin und die israelische Siedlung
Blick auf das arabische Dorf Nihilin und die israelische Siedlung

Zunächst sind wir also zum Weinberg. (siehe auch unter Schlagwörter Tent of Nations) Daher hatte ein orange farbiges Service Taxi bestellt. Mit diesem sind wir dann den „längeren“ Weg über die palästinensischen Dörfer Hussain und Nahelin gefahren. Gegen 10 Uhr kamen wir auf dem Weinberg an. Dort empfing uns die mir schon so gewohnte Stille verbunden mit der so fantastischen Aussicht bis zum etwa 50 km westlich entfernten Mittelmeer.

Daher, der älteste der Nassar Brüder empfing uns mit seiner

unnachahmlichen Herzlichkeit. Daoud der geistige Kopf des Friedensprojektes Tent of Nations“ weilt derzeit in den USA.

Neben daher waren auch seine Mutter, Schwester und eine junge Nichte, die mit ihrer Familie (ein weiterer Bruder Nassar) in den USA lebt und die für einige Zeit hier in der Heimat ihres Vaters zu Besuch ist. Aber es waren – wir doch so oft- einige junge Volontäre bei der Arbeit, bei einer Tätigkeit die ich auf dem Weinberg noch nicht gesehen hatte: Es wurden Trauben gepresst. Wie ich schon bei

die gepressten Weintrauben
die gepressten Weintrauben

meinem letzten Besuch auf dem Weinberg im April erfahren hatte, will die Familie Nassar hier in die Weinproduktion einsteigen. Hierzu wurde eine neue Presse gekauft, die nun das erste Mal in Funktion war. Daher erzählte, dass früher die Trauben mit den Füßen gepresst wurden. Die Trauben werden nach dem Pressvorgang in einer Höhle in Stahl-Fässern zum Gärungsprozess gelagert. Noch stammen die Trauben nicht aus der eigenen ernte sondern wurden gekauft. Das soll aber in den nächsten Jahren anders werden, die Pflanzung von etwa 2.000 Weinstöcken ist in der Vorbereitung.
In den nächsten Wochen soll die Olivenernte starten. Derzeit schon reif und sehr lecker: die Feigen. Leider war nur eine Stunde Zeit, da konnte ich nicht viel mehr über die aktuelle Situation in Erfahrung bringen. Aber auch der „kurze Blick“ hat mir gezeigt, wie viel

neues Küche/Essraum für die Volontäre
neues Küche/Essraum für die Volontäre

Veränderungen sich auf dem Gelände seit meinem ersten Besuch im April 2012 ergeben haben. So ist unglaublich viel Neues gepflanzt aber auch „geschützt“ (will sagen so gebaut das der Israeli es nicht sieht) gebaut worden. So ist der damalige „Open-Air- Essplatz für die Volontäre einem festen und von innen, schön gestalteten Küche mit Essraum gewichen. Ich hoffe das ich in der Zeit meines jetzigen Aufenthaltes noch einmal auf dem Weinberg vorbeischauen kann.

Noch ein kleiner Literatur-Tipp:

Thomas Nitsche (von der Regenbogenwerkstatt e.V.) hat die Schwester von Daher und Daoud, interviewt.Ein bewegendes Interview mit Amal Nasser, einer palästinensischen ‚Brückenbauerin‘ aus dem Westjordanland. Das kleine Büchlein ist in der Reihe „Kleine Texte“ im AphorismA-Verlag erschienen.

Nach einem kurzen Abstecher nach Bethlehem (die Stadt war an

Fatima mit Ehemann
Fatima mit Ehemann

dem für viele Moslems freien Samstag voller Menschen) sind wir in das etwa 10 km entferne Zaatara. Hier wohnt Fatima, von der ich schon mehrmals in diesem Blog berichtet habe. (siehe auch bei Schlagwörter unter Fatima)
Fatima war 2013 in Neuss und ist von Manuel operiert worden. Man kann sich vorstellen wir groß die Freude bei Fatima war das „ihr Doktor“ sie in ihrer Heimat besuchen kam. Es gab ein großartiges arabisches Mahl. Anschließend haben wir den wunderbaren Blick in die judäische Wüste bei der untergehenden Sonne genossen. Nur am Rande war heute die aktuelle so angespannte Situation ein Gesprächsthema. Gegen 18.00 Uhr sind wir dann zu Fuß – und ohne Probleme -durch den Checkpoint in Bethlehem.

Blick auf die Wüste Richtung Totes Meer
Blick auf die Wüste Richtung Totes Meer
Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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