Beit Jala vs Beit Sahur

Wie angekündigt, komme ich erst heute am Freitagnachmittag dazu, über meine Erlebnisse von gestern zu berichten. Hintergrund ist, dass ich gestern in Beit Jala übernachten habe, weil ich mit Kamal Murkarker,, gestern um 20 Uhr, in der Sporthalle, unmittelbar am Deiheishe-Camp in Bethlehem gelegen, mir noch ein Basketballspiel angesehen habe. Doch dazu später.

Gestern um die Mittagszeit, habe ich zunächst Ilan Baruch getroffen. Er war ehemaliger Botschafter für Israel in Südafrika, hat aber, wegen Unstimmigkeiten mit den israelischen Regierungshandeln, 2010 um Entlassung aus dem diplomatischen Dienst gebeten. Er ist derzeit Vorsitzender der Policy Working Group (PWG). Die PWG besteht aus einem Team israelischer Aktivisten mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund, darunter ehemalige Botschafter, hochrangige Akademiker und Personen mit Medien- und Politik-Hintergrund, die alle über große Erfahrung in der öffentlichen und internationalen Interessenvertretung verfügen.

Baruch war vor seiner Botschafter Tätigkeit, der Gründungsdirektor der Abteilung für palästinensische Autonomie im israelischen Außenministerium und nahm in dieser Eigenschaft, auch an den Osloer Verhandlungen teil.

Zusammen mit der israelischen Policy Working Group und der palästinensischen Partnergruppe Damour Advocacy Team(DAT) führt die Nahost- Kommission von pax christi seit Jahren in Berlin Gespräche mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Fraktionen, in Ministerien und mit Nichtregierungsorganisationen. Fast immer ist man sich in der Analyse der schrecklichen und unerträglichen Situation im Gazastreifen, aber auch im Westjordanland einig, aber wir von der pax christi Kommission aber auch unsere  Partnerorganisationen bedauern es immer wieder sehr, wenn wir  die Zurückhaltung des politischen Berlin, spüren, wenn es um Taten geht.

Genau diese Einschätzung, dass unsere Gespräche in Berlin nicht wirklich „zünden“, war eines unserer Themen bei unserem Gesprächsaustausch in einem alten Restaurant, mitten im Yehuda Markt.

Natürlich haben wir uns auch über die, nächste Woche, anstehende Wahl ausgetauscht. Wie viele befürchtet auch Ilan, dass es keine neuen Mehrheiten gibt, die zu einem Regierungswechsel führen könnten.

Beit Jala, neben Beit Sahur und Bethlehem, eine der drei christlichen Städte des Westjordanlandes

Anschließend bin ich „auf die andere Seite“ nach Beit Jala gefahren. Ich hatte mich mit Kamal Mukarker verabredet, den Sohn von Faten Mukarker. Über Faten brauche ich in diesem Blog nicht viel Worte verlieren, sie war einer der Gründe für mein Engagement in dieser Region, wie auch Daoud Nassar und Fatima. Alles was über Faten (und damit auch über den Sohn Kamal) in diesem Blog steht, könnt ihr, wie gewohnt, mit anklicken des Stichwortes Faten, nachlesen.

Kamal hat gerade für einen Beitrag für das Magazin „Das Heilige Land“ des Deutschen Verein vom Heiligen Land https://www.dvhl.de/startseite/unser-magazin/ ein Interview gegeben, welches ich (später) unter der Rubrik Christen abspeichern werde. https://marius-blog.de/kamal-mukarker-im-interview/

Hier und jetzt soll es um das Basketballspiel gehen, zu dem Kamal mich heute geladen hat. Dazu muss man wissen, dass ich Kamal früher schon öfters zu Spiel begleitet habe. Nun ist er Trainer der basketball-Mannschaft von Beit Jala, und heute steht das Pokalhalbfinale gegen die Mannschaft aus Beit Sahur an.Ich finde es wirklich besonders, dass in diesem Land, wo man wirklich andere Sorgen hat, doch auch noch für solchen Dinge „einen Kopf“ hat.

Kamal in mitten seiner Mannschaft

Es war wirklich toll mitzuerleben, wie sich die etwa 300 Zuschauer, halb Fans aus Beit Sahur, halb Fans aus Beit Jala, in und an dem Spiel begeisterten. Es war lange Zeit wirklich knapp, erst in den letzten Minuten, hat sich die Mannschaft von Kamal, dann einen Vorsprung herausgespielt. Endergebnis: 70:61

Freude und Begeisterung

Nachdem Spiel traf sich die siegreiche Mannschaft noch zu einem kleinen Abendessen in natürlich ausgelassener Stimmung.

Ehrlich gesagt, wirklich ein besonderes Erlebnis in dieser Region, wo doch meist nur , so fühle ich es zu mindestens gedrückte Stimmung herrscht.

Tageszitat (22. Oktober) aus „Recht ströme wie Wasser“ 

Zu sagen: Die Schrift ist erfüllt, heißt, sich für Gerechtigkeit einsetzen. Ungerechtigkeit, Rassismus, Gewalt, Diskriminierung deutlich zu machen und zu bekämpfen – alles, was Menschen korrumpiert und ihnen die Würde raubt.

Naim Stifan Ateek

Naim ist ein anglikanischer Priester und palästinensischer Befreiungstheologe. Er ist israelischer Staatsbürger und lebt seit seinem Ausscheiden aus dem Pfarrdienst mit seiner Familie in den Vereinigten Staaten. Er war Mitgründer von Sabeel, Das Sabeel Ecumenical Liberation Theology Center (auch einfach als „Sabeel“ bekannt) mit Sitz in Jerusalem beschreibt sich selbst als „eine ökumenische Basisbewegung der Befreiungstheologie unter palästinensischen Christen“, die „Christen aus aller Welt dazu ermutigt, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und sich solidarisch mit dem palästinensischen Volk zu zeigen“. 

Über Marius S. 423 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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