Gestern bin ich nach dem Besuch des Weinberges mit dem Service-Taxi zurück nach Bethlehem gefahren. Ich habe am Dheisheh Flüchtlingscamp anhalten lassen. Das Camp liegt an der Straße von Bethlehem nach Hebron. Es wurde 1949 für etwa 3.000 Menschen eingerichtet – heute liegt die Einwohnerzahl bei etwa 16.000. Das Lager ist damit das viertgrößte Camp in der Westbank. Es ist eines von drei Camps die in der Region von Bethlehem errichtet wurden. Die beiden anderen („Aida“ und AL Azzeh) sind wesentlich kleiner, aber durch ihre Lage unmittelbar an der Mauer und am Checkpoint 300, wesentlich häufiger in (oft nächtliche) Auseinandersetzungen mit dem israelischen Militär verwickelt.

Einer der Eingänge zum Dheisheh-Camp

Immer wieder kommt es aber auch im Dheisheh Camp zu nächtlichen gewaltsamen Razzien der israelischen Armee, obwohl das Lager in der A-Zone liegt und damit nach den Oslo-Vereinbarungen der vollen Kontrolle der palästinensischen Sicherheitskräfte untersteht. Der letzte größere Zwischenfall datiert von Anfang 2018, wo es 10 Verletzte Palästinenser gab.

Als schlimme Erinnerung:
oft der einziger Eingang während der ersten Intifada (1987-1993)

Eine positive Nachricht aus dem Dheisheh Camp macht im März 2016 weltweite Schlagzeilen: Hanan al-Hroub, geboren im Dheisheh Camp, 43-jährige Mutter von fünf Kindern und Lehrerin an einer Grundschule in Ramallah, wurde von der Londoner Varkey-Stiftung als die „beste Lehrerin der ´Welt“ ausgezeichnet. Die Ehrung war mit einem Preisgeld von einer Millionen Dollar verbunden. Ausschlaggebend, so die Jury war ihr Motto „Nein zur Gewalt“, dass sie ihren Schülern nahebringt. „Unsere Waffe ist das Wissen“ lautet ihr Motto.

Kunst im Camp:
Ikonen des Widerstandes:
Handala und der Schlüssel

Heute wollte ich mich eigentlich mit Helga Baumgarten. Sie ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit 1993 an der palästinensischen Universität in Bir Zait bei Ramallah. Leider hat das Treffen aus privaten Gründen nicht geklappt.

Ich werde sie aber hoffentlich auf dem Katholikentag in Münster treffen. Dort plant die Nahost-Kommission von pax christi am 11. Mai 2018 eine Plenums-Veranstaltung zum Thema „Gaza – der bekannteste unter den vergessenen Konflikten“. Frau Baumgarten ist dort eine der Plenumsteilnehmer/innen.

Statt dessen habe ich mich gerne noch einmal auf dem Weg nach Zatara zu Fatima und ihrer Familie gemacht. Ich weiß es von vielen Begegnungen mit ihr, dass sie sehr froh ist, sich mit mir über die Situation in ihrer Familie, Ihrer Region, aber eben auch zu allen anderen Dingen die das (ihr) Leben betreffen, unterhalten zu können.

Stau in der Geburtsstadt Jesu

Ich hatte das Glück das mich heute Adib, der Taxifahrer, der mich vor Jahren zum Weinberg gebracht hatte und dann 1000,- Shekel zahlen musste nach dem etwa 10 Km entfernten Beduinendorf bringen konnte. leider gab es wegen eines Unfalls auf der Straße Beit Sahur ein solch großes Verkehrschaos, dass wir fast 2 Stunden für die doch relativ kurze Strecke brauchten. So hatten wir im Auto Zeit etwas zu plaudern. Auch Adib hat natürlich persönliche Probleme. Seine 31-jährige Tochter lebt mit den 2 Kindern bei ihm im Haushalt. der geschiedene Ehemann zahlt keinen Unterhalt…Ja und als Taxifahrer in dieser Region kann man auch keine Sprünge machen. Wenn das Schicksal es nicht gut meint….

Bei Fatima war wie erwartet die Freude groß. Da noch Ferien ist waren wieder so ziemlich alle Enkelkinder bei Ihr. Heute habe ich ein wenig mit ihnen gesungen: Die Affen rasen durch den Wald…war mdi n einstieg. und was singen arabische Kinder in der Region von Bethlehem…. ja genau: „Jingle Bells“

ich soll alle, die Fatima kennengelernt, haben von ihr grüßen, was ich hiermit sehr gerne tue.

Von Fatima erfuhr ich heute, nicht nur einiges zur Tradition des Henna-Abends, einer ganz alten Sitte kurz vor der Hochzeit zu dem sie auch heute geladen ist. sie hatte mir ja schon öfters erzählt das es so viele Termine in ihrer Großfamilie gibt. So ist dieser Henna-Abend ja nur der Abschiedsabend der Braut von ihrer Familie, Die eigentliche Hochzeit folgt dann in der Regel ein paar Tage später.
Fatima erzählte aber auch von ihrer Tochter die in Amman in  Jordanien verheiratet ist. Sie und auch ihre Söhne unterstützen sie finanziell, da ihr Schwiegersohn dort (meist) keine Arbeit hat. „Sonst würde die Familie mit drei Kindern verhungern.“ , so Fatima. Eine solche familiäre Hilfe ist hier in der arabischen Welt, eine totale Selbstverständlichkeit. Es gibt wohl in Jordanien, neben vielen unglaublich reichen Menschen, eben auch viele Arme Menschen.