Mit der gestrigen Wanderung durch einen Teil des Wadi Qelt war war unsere Wanderzeit zu Ende. Heute machten wir uns auf den doch recht kurzen Weg (was die Entfernung angeht: 25 km), von Jericho nach Jerusalem. Was die Höhenmeter angeht ist der Unterschied freilich beträchtlich. Vor 230m unter dem Meeresspiegel geht es bis Jerusalem auf 850 m Höhe, also fast 1.100 m Höhenunterschied.

Morgensonne auf die judäischen Berge

Morgensonne auf die judäischen Berge

Bevor ich aber vom heutigen Tag berichte, möchte ich noch kurz über ein Gespräch mit einem unser beiden Gastgeber erzählen was wir gestern am späten Nachmittag geführt hatte. Ashraf lud uns, überraschend zu einer „kleinen Vorspeise“ für unser im Anschluss geplantes Abendessen in seine Küche ein und gab uns auch noch von dem Rotwein zu trinken, den uns sein Bruder bereits zum Frühstück(!) angeboten hatte. Dann erzählte er uns ein wenig von seinem Leben und seinen Plänen mit diesem Gästehaus. Wir erfuhren, dass er früh (mit knapp 18 Jahren) begonnen hat zu studieren, dass er in Ostjerusalem (in seinem Elternhaus) nur noch „auf dem Papier lebt“ (damit er die Jerusalemer Identitätskarte nicht verliert die ihm z. B ermöglicht vom Flughafen in Tel Aviv abzufliegen), dass er aber eine Wohnung in Beit Jala (bei Bethlehem) hat und eben auch für längere Zeit auch hier in Jericho lebt. Die vielen Regeln die die Israelis erfinden um den Jerusalemer Palästinensern das Leben schwer zu machen (mit dem einem Ziel, dass die Palästinenser der Stadt den Rücken kehren, auf das es eine rein jüdische Stadt wird) fordert die Palästinenser immer wieder aufs Neue heraus, Gegenstrategien zu entwickeln, die Regeln zu um gehen.

Heute morgen haben wir uns dann, nach einem wieder leckeren und

Ja es gibt auch Haltestellen in Palästina

Ja es gibt auch Haltestellen in Palästina

gesunden Frühstück (aber ohne Wein!) auf den Weg nach Jerusalem gemacht. Hier in Palästina ist es eigentlich sehr einfach von „A“ nach „B“ zu kommen. Man stellt sich an die Straße und wenn ein orangenes Service-Taxi kommt, hält man es an, fragt ob der Kleinbus nach „B“ fährt – wird die Frage bejaht- steigt man ein. Bis nach Jerusalem mussten wir zweimal umsteigen, einmal im Zentrum von Jericho, ein zweites Mal im Ostjerusalemer Stadtteil Eizariya (Bethanien). Insgesamt dauerte die Fahrt keine Stunde und kostete uns 20 Schekel (keine 5 €).

von Jericho 1.100 m hinauf nach Jerusalem

von Jericho 1.100 m hinauf nach Jerusalem

In Jerusalem war es – bedingt durch den doch enormen Höhenunterschied – doch wesentlich kühler (16 °C) als im Jordantal (22 °C), so das ich zum ersten Mal auf dieser Reise meinen dünnen Pullover überzog.

Wir haben, bevor wir wieder zum Gästehaus St. Carles im Jerusalemer Stadtteil „German Colonie“ gegangen sind, noch einen Bummel durch die Altstadt gemacht. Am Damaskustor haben inzwischen sich zwei Polizeiposten „Regenfest“ stationiert, ansonsten konnten wir aber keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen feststellen. Alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen. An der Westmauer sahen wir eine relativ kleine Menschenschlange die auf die Öffnung des Zuganges zum Tempelberg wartete. Der Zugang ist morgens aber auch in der Mittagszeit zwischen 12.30 und 13.30 möglich. Spontan stellten wir

hier steht es weiß auf beige: Juden sollen nicht auf dem Tempelberg

hier steht es weiß auf beige: Juden sollen nicht auf dem Tempelberg

uns auch an. Dort konnten wir dann wieder lesen, dass der Chef-Rabbiner den Juden verbietet auf den Tempelberg zu gehen. In den letzten Wochen war es wegen provokativen „Gebetsaktionen“ weniger Juden auf dem Tempelberg, zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und der Polizei gekommen. Daraus entwickelten sich dann in der Folge die gewalttätigen Auseinandersetzungen in ganz Palästina und Israel, die bis heute mehr als 50 Todesopfer und über 1000 Verletzte (in der großen Mehrheit Palästinenser) gefordert haben. Nach einer knappen halben Stunde kamen wir an die Sicherheitskontrolle um dort zu erfahren, dass wir mit unseren relativ großen Rucksäcken nicht durch die Kontrolle können. Da ich schon einige Male auf dem Tempelplatz war, entschied mich mit unseren beiden Rucksäcken am Aufgang zu warten.

erst besorgt, jetzt glücklich: Schwester Magdala

erst besorgt, jetzt glücklich:
Schwester Magdala

Gegen drei Uhr waren wir dann im Gästehaus St. Charles, wo uns Schwester Magdala erfreut empfing. Als sie letzte Woche hörte ,dass wir in der Westbank bei Nablus wandern wollen, war sie sehr erschrocken da sie befürchtete, dass uns wegen der Unruhen dort etwas passieren könne. Sie kennt sich dort gut aus, da sie aus der Gegend bei Arara stammt, der 2. Station unserer Wanderung. Sie hatte mir versprochen dafür zu beten, dass uns nichts Schlimmes passiert.

Gott sei es gedankt. Ihre Gebete wurden erhört. Wir sind gesund und wohlbehalten von unserer Wandertour auf den Spuren des Abrahams zurück.