Das letzte Mal habe ich am 7. April 2015 vom Cremisantal berichtet. Das wunderschöne Tal verläuft vom westlichen Stadtrand des palästinensischen Städtchens Beit Jala ca 3 km bis an den südlichen Stadtrand von Jerusalem, dort wo sich für die Jerusalemer ein schönes Naherholungsgebiet – einschließlich eines „Bibel-Zoo – befindet. Im vorigen Jahr habe ich berichtet wie schwierig es für mich war in das Tal zu gelangen, den 12.000 Bewohnern von Beit Jala ist der Zugang schon seit Jahren versperrt. Damals berichtete ich auch von der frohen Botschaft die sogar der Vatikanische Rundfunk gemeldet hatte: dass oberste israelische Gericht hatte gerade entschieden, das die vom israelischen Militär geforderte Mauer, die sich quer durch das wunderschöne

und hier wollt ihr eine Mauer errichten???

und hier soll eine Mauer errichtet werden ???

Naturgebiet schlängeln und zwischen dem Cremisankloster und seinen Weingütern gebaut werden sollte, nicht wie geplant errichtet werden darf. Doch leider ist nur einige Monate später das selbe Gericht „eingeknickt“. Diese Entscheidung des obersten Gerichtshofes in Israel, dass der Bau der Mauer die Ländereien der beiden im Tal ansässigen Klöster unberührt lassen müsse und der gegenseitige Zugang der Klöster nicht beeinträchtigt werden dürfe, legte das Verteidigungsministerium dahingehend aus, dass die Argumente der 58 christlichen Landbesitzer des Tals vor Gericht kein Gehör fanden und deren Land deswegen zur Konstruktion der Mauer freigegeben sei. Das Gericht hat diese enge Auslegung seines Urteils am 6. Juni gebilligt. Die Auslegung des israelischen Verteidigungsministeriums macht die Entscheidung des obersten Gerichts quasi wertlos. Praktisch wird die Mauer im Tal von Cremisan nun fast verwirklicht wie vor neun Jahren geplant – mit Aussparungen im Verlauf, wo die katholische Kirche im Tal Land besitzt. Schon im Sommer hat die Nahost-Kommission von pax christi, der ich seit 2012 angehöre, mit einer Pressemeldung gegen den damals erwarteten Beginn des Mauerbaues protestiert. In diesen Tagen hat der Oberbürgermeister von Jena, der deutschen Partnerstadt von Beit Jala, in einem offenen Schreiben an die Bundeskanzlerin, die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Beide Schreiben habe ich unter dem Blogkapitel Christen gespeichert.

in Beton gegossen: die Mauer verschließt den Zugang zum Cremisantal

in Beton gegossen: die Mauer verschließt den Zugang zum Cremisantal

Vor einigen Wochen hatte ich die ersten Bilder vom Mauerbau gesehen und hatte mir vorgenommen selbst ein Bild von dem Mauerbau zu machen. Vor einem Jahr hatte ich berichtet das ich ungehindert von Beit Jala aus kommend das Tal im besagten Naherholungsgebiet am südlichen Stadtrand von Jerusalem verlassen konnte. So bin ich heute also den umgekehrten Weg gegangen. Zu Beginn des Weges, nahe einem Checkpoint durch den man muss wenn man nach Beit Jala oder eben in die jüdische Siedlung Har Gilo möchte, wurde ich von einem Autofahrer der auch den Weg ins tal nehmen wollte, gefragt was mein Ziel sei. Ich habe unverbindlich erklärt, das ich das schöne Wetter heute nutzen würde mir das schöne Tal anzuschauen. Diese Antwort hat ihn wohl zufrieden gestellt, er hatte keine weiteren Fragen an mich.

wunderschönes Cremisantal nun ist der Zugang für die Menschen aus Beit Jala "zubetoniert"

wunderschönes Cremisantal nun ist der Zugang für die Menschen aus Beit Jala „zubetoniert“

Wie schon im letzten Jahr war ich fasziniert von der Schönheit dieser Landschaft und der Ruhe hier. Auch hörte ich an vielen Stellen Wasser glucksen, manchmal rauschen: es hat hier sehr viel Wasser. Links auf der Höhe sah ich die Siedlung Gilo, rechts die Siedlung Har Gilo (diese beiden Siedlungen begründen den Mauerbau), und etwas unterhalb das Kloster Cremisan. Nach etwa 2 km kam ich an den beiden Gebäuden vorbei, die wie ich schon vor einem Jahr berichtet habe, von einer Familie aus Beit Jala bewohnt werden. Ein Mann arbeitete im Garten und begrüße mich freundlich. Auf meine Frage ob sie weiter problemlos zu ihrem haus gelangen könnten, meinte er vielsagend: nicht immer. Mit dem Versprechen auf dem Rückweg auf einen Kaffee vorbei zu kommen bin ich einen weiteren Kilometer gegangen. Bis ich die Brücke sah, über die ich oft mit dem Bus von Jerusalem nach Bethlehem gefahren bin. Dort wo noch vor einem Jahr ein kleiner, etwa 2m hoher Zaun stand, mit einem Tor für das Margo einen Schlüssel besaß war nun eine mächtige Mauer von etwa 8 m Höhe errichtet worden.

Ein beklemmender Anblick schon für mich, wie viel mehr erst für die Menschen die hier leben und sich seit Jahren mit diversen Protestaktionen (so auch ein regelmäßiger Gottesdienst im Tal) dem Mauerbau widersetzt haben. Nun steht sie da in all ihrer Hässlichkeit, ein Monstrum. Hier unter der Brücke ist die Wirkung noch nicht so extrem, aber wie wird der Mauerbau das wunderschöne Tal entstellen?

im Tal lebt eine Familie.... und mehr als Hundert Hühner

im Tal lebt eine Familie….
und mehr als Hundert Hühner

Auf meinem Rückweg bekam ich den versprochenen sehr leckeren arabischen Kaffee. Ich erlebte die Familie und einige Freunde, die zu Gast waren, relativ entspannt, angesichts des Mauerbaus. Begeistert berichtete er von den Bio-Eiern, die seine mehr als 100 Hühnern hier legen. Allerdings würde die Eier an die Israelis für den doppelten Preis verkaufen…..