Liebe und treue Leserinnen und Leser meines Blogs. Heute nun war mein letzter Tag auf dieser Reise, morgen gegen 19 Uhr besteige ich den Flieger, der mich hoffentlich gut nach Düsseldorf bringt. Da ich in meinen Blog-Beiträgen ja viel ernste Themen behandelt habe, sind die kleinen Dinge, die einem ja auf einer solchen Reise auch begegnen, bzw mein Interesse geweckt haben, etwas zu kurz gekommen. Das will ich nun heute nachholen mit den „Erlebnissplittern“ meiner Reise.

oft sind es die kleinen, so unscheinbar erscheinenden Dinge oder Erlebnisse die ja erst die ganze Fülle einer Reise ausmachen

Bitte schaut aber trotzdem noch hier und da mal in meinen Blog, denn es kommt in den nächsten Tagen sicherlich noch ein persönliches Fazit der Reise und, wie ich versprochen habe, möchte ich noch ein wenig über die Visionen des Daoud Nasser für sein Friedensprojekt „Tent of Nations“ berichten.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich aber jetzt erstmal ein, den Geist und die Seele erfrischendes, Pfingstfest:
Salaam Euer Marius

Hl. Messe auf Arabisch
An einem Samstag war ich in der der Wohnung von Faten nahegelegenen Kirche zur Vorabendmesse. Sie sollte um 18.00 Uhr beginnen. Ich war gegen 17.45 da. So gegen 17.50 gingen erste Lampen an, sonst tat sich nichts, außer mir war auch noch keiner in der Kirche. Um 17.55 läuteten mal kurz die Glocken, aber die hatten auch schon um 17.25 geläutet als ich hier ankam. Um 18.00, wo die Hl. Messe beginnen sollte bin ich dann mal vor dir Tür und habe einen als Priester erkennbaren jungen Mann angesprochen: We are lateToday war seine Antwort…Ich bin also wieder in die Kirche, um der Dinge zu harren die dann auch kamen: so langsam kamen einige Messbesucher. Einer fing dann an auf Arabisch zu beten, ich konnte mir dann zusammenreimen das es sich hier um den Rosenkranz handeln musste. Zwischenzeitlich machte der junge Priester die Kerzen an und endlich um 18.20 ging es dann los mit der Hl. Messe. Bei uns kommen die Gläubigen manchmal zu spät, hier sind es sowohl die Gläubigen als auch der Pfarrer, arabische Verhältnisse halt.

Kath. Kirche in Beit Jala

Beim Friseur
Wenn man hier durch Bethlehem oder Beit Jala geht fallen einem die vielen, oft nur mit einer Person betriebenen Friseur-Salon auf. Einem habe ich dann selbst besucht am Samstag dem 12. Mai.
Der Andrang war recht groß. Viele ließen sich den ganzen Kopf rasieren, der wurde eingeseift und dann gings mit dem Messer drüber. Die Haare, alles schwarze, lagen auf dem Boden, gekehrt wurde nicht, zwischendurch wurde auch mal mit dem Handy tel. oder eine Zigarette geraucht. Ja dann kam ich dran, habe versucht zu erklären das ich mit der Maschine etwa 9 cm geschnitten haben will, aber irgendwie hatten die andere Maße, dann habe ich mich dem Schicksal ergeben. War aber ganz ok. Fand ich und der Preis 20 Schekel (4,-€) da kann man nicht meckern finde ich oder?

Beim arabischen Friseur

Kaffestunde im American Colony Hotel
Ein Muss ist ein Besuch im American-Colony-Hotel. Es liegt in Ostjerusalem, vom Damaskustor aus die Nablusstrasse entlang, etwa 10 Minuten Fußweg. Dieser ehemalige türkische Palast, der 1860 von einem reichen Araber gebaut und 1895 an eine amerikanisch-schwedische Familie verkauft wurde, diente 1902 teilweise als Hospiz, später dann als Hotel, dass sich schnell zum Prominenten-und Pressehotel entwickelte. Die ersten Kontakte zwischen Israelis und Palästinensern, die zum Oslo-Abkommen führten, fanden hier statt. Ein Höhepunkt neben den wunderschönen Räumlichkeiten war ein arabischer Kaffee im Garten des Hotels.

arabischer Kaffee vom Feinsten

Die Bücherei neben dem American Colony Hotel
Dem Hotel angegliedert ist eine Buchhandlung mit guten Ambiente und hervorragender Buchauswahl. Schon seit Generationen ist dieser Laden populär unter Journalisten, Diplomaten und Schriftstellern aus aller Welt, einschließlich Leon Uris und John Le Carre. Munther’s der Besitzer spezialisiert sich auf die Geschichte, Religion und Kultur der Region und verfügt auch über eine große Auswahl englischsprachiger Bestseller. Der Besitzer war im letzten Jahr Thema der Weltpresse. Hintergrund war sein Aufenthaltsstatus. Seit Jahren hatte er nur ein Touristen-Visum und musste alle drei Monate „Ausreisen“ um wieder mit einem neuen Visum hier seinen Buchladen betreiben zu können: Nun sollte er nicht mehr einreisen können.

der stolze Besitzer der froh ist das er nun doch bleiben darf

Nun meldete die FAZ am 30.01.2012: Munther Fahmi ist erleichtert. Nach einem sechs Jahre dauernden Rechtsstreit (F.A.Z. vom 20. April 2011) gestattete ihm das Innenministerium nun doch, in Jerusalem zu bleiben. Dort wurde er in der Altstadt geboren und öffnete vor 16 Jahren im „American Colony Hotel“ seine Buchhandlung. „Vorausgesetzt, ich benehme mich gut, bekomme ich dann in zwei Jahren eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung“, sagt Fahmi. Jahrelang hatte sich der Palästinenser in seiner Heimatstadt nur mit einem Touristenvisum aufgehalten.

Marktzeit am Freitag
Am Freitag kauft der Jude für den Schabbat ein. Deshalb ist vor allem an einem Freitag der Besuch des zentralen Marktes ein Erlebnis der besonderen Art für Auge, Mund und Nase. Was hier so alles angeboten wird an Gewürzen, Obst, Gemüse, Fische, Fleisch; Süßspeisen und diverse Brote und Kuchen, das sprengt alles was ich bisher auf dieser Welt gesehen habe. Das Ganze mit arabischem Flair verpackt ist wirklich großartig.

Markttag in jerusalem: ein Festtag für alle Sinne

 

etwas Süsses gefällig?

 

oder etwas zum Würzen?

Beginn des Schabbat an der Westmauer
Schon vor zwei Jahren bei meinem ersten Besuch in Jerusalem war ich am Freitagabend zum Beginn des Schabbats (dann wenn die Sonne untergeht) an der Westmauer. Hier ist zwar immer viel Betrieb aber an einem Freitagabend zum Beginn des Hl. Schabbats ist es total voll hier. Es ist eine riesige Stimmung, weine Mischung von totaler Ausgelassenheit und Freude, aber auch innigen Gebet und Gesängen, auch als völlig Unbeteiligter wird man von dieser Stimmung mitgezogen. Man spürt direkt was die Juden weltweit zusammen, hält was sie verbindet. Es werden Kreise vor allem von jungen Leuten gebildet, da sind auch Menschen in Uniform dabei, bei einigen auch Zivilen baumelt gefährlich aussehend ein Maschinengewehr an der Seite. Sie hüpfen, tanzen singen, jubeln, sind total begeistert den Beginn ihres wöchentlichen Schabatfestes feiern zu können. Ob jeder Schabbatbeginn so gefeiert wird, ich kann es mir gar nicht vorstellen. Aber hier im direkten Angesicht des Westmauer, dem jüdischen Symbol schlechthin, ist die Freude besonders stark.

Zum beginn des Schabbats an der Westmauer

Nur eine Randbemerkung wert sind die religiösen Eiferer die einen, wenn man nur die Hand an die Kamera nimmt, sofort daran erinnert das Schabbat ist und man also keine Fotos machen darf. So gibt es gibt in den Hotels auch den „Schabbataufzug“ der hält an jedem Stock damit man nur nicht den Knopf drücken muss. Wenn man da aus Versehen drin ist und in den 10. Stock muss, na denn heißt es aber Geduld haben…

auch im kleinen Freundeskreis wird der Beginn des Schabbats freudig begangen

Das Ende des Schabbats
Am Samstagabend so gegen 21.00 Uhr hat der hier Fremde das Gefühl das plötzlich die Stille des Tages – bei uns vielleicht vergleichbar mit einem Karfreitag – in ein brodelndes und geschäftiges Leben wechselt.

Schabbat: Nichts geht mehr nicht nur auf der Yafo – Haupteinkaufsstrasse in Jerusalem

Eben noch fuhr kein Bus und keine Bahn, nur wenige PKW, waren keine Geschäfte geöffnet, die Straßen menschenleer, ja sogar Bankautomaten waren „Out of Order“ und mit einem Mal ist alles anders. Wie von Geisterhand gesteuert sind plötzlich die Läden auf, ist die prächtige Einkaufsstraße von vielen Menschen bevölkert und mit schöner Musik berieselt, kommen einem die ersten mit vollen Einkaufstüten entgegen, staut sich der Verkehr auf den Straßen fahren Busse und Bahnen wieder….das Leben blüht auf.
In den Kneipen und Straßencafés versammeln sich viele vor allem junge Leute, es ist wie in der Altstadt zu Düsseldorf an einem Freitag- oder Samstagabend. Hinzu kam heute, das ab 21.45 das Champion Finale zwischen den Bayern und dem FC Chelsea hier in vielen Kneipen auf großen Leinwänden übertragen wurde. Der Jubel war groß hier als nach dem Elfmeterschießen der FC Chelsea als Sieger feststand. Wie meinte mein junger Tischnachbar dazu: Wir mögen halt die Deutschen nicht so besonders…..

Arabisches Frühstück
Eine besondere Delikatesse st das arabische Frühstück das mir Nicola Murkarker in der Zeit da ich bei ihm zu Gast war morgendlich auf dem Balkon, mit wunderbarem Blick auf Bethlehem serviert hatte.
Neben verschiedenen Brotsorten gab es immer Humus, ein pikant gewürztes Kichererbsen Püree, Foul, gut gewürzte braune Bohnen, die stundenlang gekocht werden, oft auch Falafel, Gemüsefrikadellen auf der Basis von Kichererbesen, mit Kräutern angereichert und gut gewürzt. Natürlich gab es auch Tomaten, Zwiebel und Oliven. Auch das gutes Olivenöl durfte nicht fehlen, das mit frisches Sesambrot und getaucht in Saater einer Gewürzmischung aus Thymian und geröstetem Sesam vorzüglich mundet. Für mich als „süßer“ Frühstücker allerdings war die von Nicola selbst hergestellte Aprikosenmarmelade der Höhepunkt und meist auch der krönende abschluss des kaiserlichen Frühstücks.

Frühstück bei und von Nicola, was auf dem Bild fehlt….die vorzügliche Aprikosenmarmelade

Besuch im Supreme Court, dem obersten Gerichtshof von Israel
In unmittelbarere Nähe der Knesset, dem israelischen Parlamentsgebäude steht seit 1986 das wunderbar anzuschauende Gebäude des Obersten israelischen Gerichtshofes, welches ich mir am letzten Tag meines Aufenthaltes in Jerusalem noch anschauen durfte. Ich war ganz überrascht das ich -nach gründlicher Kontrolle versteht sich- so ohne weiteres durch die „heiligen Hallen“ spazieren konnte und dabei sogar Fotografieren durfte. Noch auf dem Weg dahin wurde ich von einem Mann in Zivil mit großem Maschinengewehr angeraunzt weil ich es gewagt hatte… ein Foto von der Bank of Israel zu machen…
Nachfolgend einige Bilder die erkennen lassen das sich der Gewinner eines Architektenwettbewerbes (die Geschwister Ram und Ada Karmi) so einiges haben einfallen lassen. Weitere Infos unter: www.court.gov.il

The Supreme Court of Israel: ein archtektonisches Wunderwerk:das Foyer, links die 5 Tore zu den Gerichtssälen in der aus grobbehauenden Steinen gebauten Mauer, rechts eine moderne weiße Wand mit Nischen und halbrunden Sitzbänken aus Holz

 

Gerichtssaal: natürliches Licht fällt durch die zwischen den Außenwänden und den Säulen befindlichen Dachluken ein

 

Die Passage zur Knesset:: Verbindung und Trennung zwischen der richterlichen und gesetzgebenden Gewalt

Besuch im Israel Museum
Vom Supreme Court geht man an der Knesset vorbei zu einem der besten Museen der Welt, so sagt und schreibt man das israelische Museum: Jetzt bin ich ja nicht unbedingt der Mensch der in Museen geht aber ich habe gedacht wenn da so von geschwärmt wird, da musst du doch auch mal einen oder zwei Blicke riskieren.. und ich wurde wirklich nicht enttäuscht.

Israel Museum: ein Höhepunkt Darstellung des alten Jerusalem

Überrascht war ich aber schon das Joseph Beuys auch hier mit seinen Werken vertreten ist, er fuhr aber nachher durch googeln im Internet, das dies eine Sonderschau ist, die gestern eröffnet wurde.

Israel Museum aktuell: Kunst ala Beuys

Wen das Museum noch mehr interessiert sollte mal auf die Homepage des Museums gehen, dort kann man sich ein Video und in einer Galerie auch weitere Bilder anschauen:
www.gojerusalem.com/discover/item_13967/Beuys–Kantor-Remembering hier bitte auf den Link: tot he Israel Museums Page klicken und dort dann auf Video oder Galerie klicken.

Mea Shearim
Zum Schluss meines Abschieddstages in Jerusalem bin ich, wie schon vor 2 Jahren, durch das absolut interessante Stadtviertel Mea Shearim geschlendert.

Mea Shearim: viele schwarze Männer

aus Wikipädia:
Me’a Sche’arim ist ein relativ isoliertes Viertel im Westteil Jerusalems, wo die Alltagssprache vornehmlich Jiddisch ist. Seine in verschiedene ultraorthodoxe jüdischen Gemeinschaften aufgespaltenen Bewohner halten sich an eine möglichst wörtliche Auslegung der Tora und der Religionsgesetze. Weitgehende Einigkeit herrscht in Bezug auf die strikte Einhaltung der Shabbat-Ruhe, der Riten der jüdischen Feiertage, der Geschlechtertrennung und der Ablehnung des säkularen Staates Israel.

Mea Shearim: kein TV, kein Radio, keine Zeitung, was wichtig ist wird an die Wand geklebt


Mea Schearim ist, zum Leidwesen der Bewohner dieses Stadtviertels, auch eine Touristenattraktion geworden und findet zunehmend in Reiseführern Erwähnung. Mit mehrsprachigen Hinweisschildern wird an den Eingängen zum Viertel auf die herrschenden Verhaltens- und Kleidungsvorschriften, in erster Linie für Frauen, hingewiesen, die auch von Besuchern zu beachten sind. Am Schabbat dürfen Autos im Viertel nicht verkehren, sämtliche von Menschen bediente elektrische Anlagen sind ausgeschaltet und das Benutzen von Fotoapparaten, Mobiltelefonen etc. auf der Straße ist untersagt.
Hintergrund ist dafür die von den Bewohnern dieses Viertels strikt praktizierte Bestimmung, dass am Schabbat kein Feuer gemacht werden dürfe. In der Auslegung dieses alttestamentarischen Gesetzes wird der elektrische Funke dem Anzünden von Feuer gleichgesetzt, womit diese in orthodoxer Auslegung auf das „Schalten“ elektrischer Anlagen jeder Art (bis hin zum Einschalten der Zimmerbeleuchtung oder dem Funken der Zündkerze eines Autos) ausgedehnt wurde und hier auch (anders als in anderen Teilen Israels) auch strikt (und zum Teil auch rigide, z.B. durch Steinwürfe) durchgesetzt wird.

Mea Shearim: hat viele Kinder

 

Mea Shearim: hat viele Locken, allerdings ganz selten sind sie blond

Die Nächte in Palästina und Jerusalem
Wer mich etwas näher kennt weiß, dass ich auch zu Hause nicht richtig gut schlafe, bin dabei vor allem sehr lärmempfindlich. Deshalb sind die Nächte hier auch nicht immer eine Wohltat, trotz Ohrenstopfen…Im Zelt waren es vor allem die drei Hunde die in der Nacht „ihr Revier verteidigen“ und dabei häufig laut bellen, aber auch jaulen wie die Wölfe und manchmal so knurren das es einem Angst und bange werden könnte wenn man nicht wüsste das es ganz liebe und friedliche Hunde wären.

so ein friedlicher Hund…

Des Weiteren gibt es dann so den einen oder anderen Mückenangriff dem ich mich vor allem mit dem Tropenerprobten ANTI-BRUMM zur Wehr setzen muss.
Und da sind da noch die Muezzine deren „Gesang“ sowohl im Tent of Nations aus dem Tal aus den Dörfern herausschallt, als auch in Beit Jala bei den Mukarkers. Hier ist die Moschee mit dem am Minarett angebrachten großen Lautsprechern direkt neben dem Haus so das man glaubt der Muezzin steht direkt neben dem Bett. Auch haben hier die Christen das Gefühl, das in der christlich geprägten Stadt (80% der Einwohner sind Christen) besonders laut zum Gebet gerufen wird. Allerdings ist in Jerusalem der Chor der Muezzins noch um beträchtliche Dezibel stärker als alles was ich bisher erlebt habe…

Moschee in Nahalin mit Lautsprecher verstärkt

Ach übrigens die die nächtliche Gebetszeit ist derzeit so gegen 4.00 Uhr morgens….

Na denn gute Nacht allerseits! 🙂

Der Felsendom über der Altstadtmauer im Licht der Abendsonne