Heute, an meinem letzten Tag in Palästina, habe ich noch mal die „Seiten gewechselt“, von Ostjerusalem nach Ramallah. 500m vom Paulus-Haus entfernt ist der (palästinensische) Busbahnhof. Von dort fahren die Busse in den Norden der Stadt und eben auch der 218 nach Ramallah. Am Rande sei erwähnt, das die Fahrkarte zwei Preise auszeichnet, den Preis für die Strecke in Jerusalem (6,- Shekel) und den Preis für die Strecke nach dem Qalandia-Checkpoint bis zum Busbahnhof in Ramallah (1,60 Shekel). Heute hielt der Bus noch vor dem Grenzübergang, eine überraschende Kontrolle aller Fahrgäste durch das israelische Militär.

die „andere Seite“

Dann bin ich wieder in Ramallah eingetaucht. Mir viel sofort mein letzter Besuch im April 2017 ein, auch damals hatte ich das gleiche Gefühl wie heute: die Stadt „brummt“, es werden unglaublich viele Häuser gebaut, die Menschen kaufen ein, das „Problem Gaza“ scheint ganz weit weg, obwohl es Luftlinie vielleicht 70 km sind. Hier habe ich auch meine „Weggefährten“ von letzter Woche: Ekki und Rolf wieder getroffen. Sie haben hier in einem Hostel genächtigt das den schönen Namen: „Area-D“ trägt, in Anspielung auf die, durch das Oslo-Abkommen geschaffenen drei Zonen A,B und C. Mit den beiden sind wir durch die Main-Street in Richtung der Altstadt geschlendert, natürlich haben wir uns an der „berühmten“ Eisdiele „Rukab“das berühmte arabische Eis, das durch „Mastix (ein arabisches Gummi), eine leicht zähe Konsistenz bekommt.

zweifelhafter (gefährlicher?) Bauboom

Wir sind auf unserem weg mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, sei es in dem wunderschönen Obstmarkt, sei es in dem typischen Café oder eben auch auf der Strasse. So sprach uns um die Mittagszeit ein Mann in deutsch an. er hat in Aachen Architektur studiert und lehrt dieses fach nun in der Universität Bierzelt. Wir kamen kurz ins Gespräch, natürlich auch über den Bauboom in dieser Stadt, der auch viele „Sünden“ vermuten lässt, nicht nur was Stil und Lage angehet, nein auch bezüglich der Statik. Bei vielen Neubauten hat man das Gefühl, dass sie ohne Plan gebaut sind und nicht „lange halten“werden.
Muain (Moin ausgesprochen) Qasem Jawabrah bestätigte im Prinzip unsere Annahmen. Für ihn als Fachmann ist es vielfach ein Problem zu sehen, wie hier (oft) ohne Fachleute „Geld in den Sand gesetzt wird“. Überhaupt sei es für ihn alles ziemlich belastend, deshalb hat es es sich angewöhnt um die Mittagszeit in einem Café die Wasserpfeife zu rauchen, um „herunter zu kommen“ wie er sagte. Leider hatten wir keine Zeit, seine Einladung anzunehmen.

der Obstmarkt in Ramallah:
Kunstvoll gestapelt

Salwa Duaibis & Gerard Horton

Ekki hatte ein Gespräch mit dem englisch-australischen Rechtsanwalt Gerard Horton, verabredet.Gemeinsam mit seiner Frau Salwa Duaibis und acht anderen Anwaltskollegen arbeiten Sie für die Organisation Military Court Watch (MCW). Grundlage ihrer Arbeit ist die UN-Kinderrechtskonvention, die auch von Israel unterzeichnet wurde. Keinem Staat ist es erlaubt, Kindern die unter Besatzung leben, zu diskriminieren, vor allem nicht durch die Anwendung eines anderen Rechtssystem. In diesem Zusammenhang gelten vor allem folgende Regeln (gegen die das israelische Militär ständig verstößt):

  • Kinder dürfen nachts nicht verhaftet werden
  • Kinder müssen über ihre Rechte, z.b. ihre Aussage zu verweigern, informiert werden
  • Kinder dürfen weder die Augen verbunden werden, noch dürfen sie gefesselt werden
  • Kindern darf weder Gewalt angetan, noch dürfen sie bedroht oder ein Geständnis von ihnen erpresst werden
  • Kinder müssen vor der Untersuchung Gelegenheit bekommen, einen Anwalt zu konsultieren
  • Kinder müssen während der Untersuchung/Befragung in Begleitung ihrer Eltern oder eines Erziehungsberechtigten sein
  • Alle Untersuchungen müssen auf Video aufgenommen werden
  • Kein Kind darf in ein Gefängnis außerhalb der Westbank gebracht werden

Um belegen zu können, in welcher Weise nun den Kindern ihre Rechte verweigert werden, beobachtet MCW deren Behandlung vom ersten Moment ihrer Verhaftung an bis zur ihrer Freilassung. Sie dokumentieren die Ergebnisse ihrer Arbeit in regelmäßigen Berichten.

Ich habe unter dem Abschnitt Gastbeiträge in meinen Blog ein Interview mit Gerard Horton vom Januar 2015 eingestellt, welches er der Tageszeitung „junge Welt“ gegeben hat: „Nicht nur gefesselt, sondern auch geschlagen“

Der hier verlinkte Beitrag Peter Münch in der SZ vom Juni 2016 „Das Gefängnis der Kinder“
beschreibt sehr gut die ganze Problematik und vor allem deren Folgen für die Kinder.

Die Organisation MCW leistet ihre wichtige Arbeit ausschließlich mit Spendengeldern.

Auch in Deutschland haben verschiedene Gruppen mit der Thematik intensiver beschäftigt. Das EAPPI-Netzwerk in Deutschland hat auf der Grundlage der eigenen Erfahrungen bei den Einsätzen ihrer „Beobachter/innen eine Ausstellung zu dem Thema „Kinder in israelischer Militärhaft erstellt. Mehr dazu hier

Die Köln-Bonner Gruppe „FrauenWegeNahost“ hat vor einigen Jahren eine Broschüre erstellt „Palästinensische Minderjährige in den Fängen der israelischen Militärjustiz“
Hier ein Bericht von einer Buchvorstellung dazu im Oktober 2013 in Aachen