Ja es geschehen in diesem Land immer wieder Zeichen und Wunder.

Von dem Wunder des Osterfeuers der orthodoxen Christen habe ich am Samstag berichtet. Von zwei (kleinen) Wundern will ich nun heute schreiben:
Da ist zunächst einmal der wirklich starke Regen der heute morgen pünktlich zu meiner Abreise, auf die Stadt Jerusalem und auch auf mich, nebst meinem Gepäck, nieder ging.

Ja und als ich mit dem Scherut gegen 11 Uhr (drei Stunden vor Abflug am Ben Gureon-Airport ankam, und mich auf eine zermürbende Befragung einstellte (ich erinnere an mengen Abflug genau vor einem Jahr), da geschah das zweite (kleine) Wunder. Ich glaube es waren insgesamt drei Fragen die ich beantworten musste (weshalb ich hier im Land war, ob ichPräsente bekommen habe und ob ich Messer oder Schusswaffen im Gepäck habe), ja wirklich, das war alles. In sage und schreibe einer Dreiviertel Stunde war ich durch alle Kontrollen und habe jetzt genügend Zeit an diesem meinem vorletzten Blogbeitrag in diesem Frühjahr zu schreiben.

gestern im Cafe in Ramallah

Aber wie das mit den Wundern im allgemeinen ist, man/Frau muss daran glauben und es wird alles ein wenig natürlicher (weniger wundersam) wenn man genauer hinschaut. Mit dem Regen in Jerusalem ist es nämlich so: Der Hydrologe Clemens Messerschmied, der seit 20 Jahren in Palästina lebt und arbeitet, hat sich nicht nur immer wieder zu der ungleichen Wasserverteilung zwischen den israelischen und den palästinensischen Bewohnern geäußert. In dem Interview mit der kritischen Webseite „NachdenkSeiten“ wird aber auch deutlich, das es eigentlich genügend Wasser in dieser Region gibt (an anderer Stelle spricht Messerschmied davon das es in Jerusalem genau soviel regnet wie in Berlin), aber es eben Bestimmungen gibt das auch das Regenwasser nicht von den Palästinensern aufgefangen werden darf. Er spricht von Militäry Orders, den sogenannten MO`s, die in den besetzten Gebieten von den Israelis erlassen werden und dann für immer gültig sind. Die Palästinenser haben kein Mitspracherecht.

Wasser ist knapp auf dem Weinberg, Volontäre sollen sich nur zweimal in der Woche duschen

Ich weiß es vom Weinberg der Familie Nassar. Dort gibt es zahlreiche Zisternen, die in den letzten Jahren gebaut wurden. (Ich selbst habe bei meinem vierwöchigen Aufenthalt im April 2012 am „Bau“ einer solchen „Wassersammelgrube“ mitgeholfen. Aber alle diese Zisternen, die den Bewohnern des Weinberges oft helfen, ohne zusätzlichem Wasser, was sie teuer bei den Israelis kaufen müssen, „über den Sommer zu kommen“, sind aus israelischer Sicht „illegal“. Es gibt für  sie „Abrissbefehle.

Mit der Kontrollen hier am Flughafen ist es, wenn man genauer hinschaut eben viel von Zufälligkeiten abhängig. So wie es vor einem Jahr war, wo ich (unbedacht) erwähnte das ich auf dem Weinberg war. Bei einer meiner Gruppenreisen war es die Info eines Mitglieds der Gruppe, dass wir in Jenin das Friedenstheater besucht hatten. In beiden Fällen bedeutete diese Info, dass der verdächtigungsgrad (ich/wir hatten ja Kontakt mit Palästinensern) stieg, die Befragung intensiver wurde und auch die Kontrolle des Handgepäcks und des Körpers (extrem) intensiviert wurde.

Auch in Battir, mit seinen berühmten Terrassen, war es in diesem Wochen sehr grün

Ich möchte heute auch noch ein Thema anschneiden, welches ich (vor nunmehr 2 1/2 Wochen) in meinem Gespräch mit Amjad Mitra angesprochen. Es ging dabei um seine konkrete Tätigkeit für den „Weltfriedensdienst“ hier in Palästina.

Der „Ziviler Friedensdienst“ (ZFD) entsendet Fachkräfte in Krisen- und Konfliktregionen. Sie arbeiten dort mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die in ihrer Gesellschaft und Kultur verwurzelt sind. Als Außenstehende sollen/können die ZFD-Fachkräfte einen anderen Blickwinkel und neue Sichtweisen einbringen, die helfen, Friedensprozesse wirksam anzustoßen und zu begleiten. Mit Beginn der staatlichen Förderung im Jahr 1999 in Deutschland, entwickelte sich dieser „Friedensdienst“ – und mit ihm die zivile Konfliktbearbeitung – von einem Modellversuch zu einem anerkannten Instrument der deutschen Friedens- und Entwicklungspolitik. Im Sinne eines Gemeinschaftswerks von Zivilgesellschaft und Staat arbeiten neun friedens- und entwicklungspolitische Organisationen gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) an der Gestaltung des Programms und seiner strategischen Ausrichtung.

bei den Jahalin-Beduinen

Einer der neun Gruppen ist der Weltfriedensdienst, bei dem Amjad Mitri angestellt ist.
In dem Gespräch mit ihm lernte ich den Begriff „Postkonflikt“ kennen, der die Friedensarbeit meint, die erst dann einsetzt wenn der Konflikt beendet ist. Da man in dem Konflikt Israel&Palästina selbstverständlich nicht von einem Ende sprechen kann, sind andere Maßnahmen erforderlich, so beispielsweise: den Ursachen des Konfliktes auf den Grund zu gehen und die Merkmale des Konfliktes aufzuzeigen. Hierzu dienen beispielweise auch Informationsveranstaltungen. In diesem Zusammenhang gibt Amjad u.a. Kurse für Mitarbeiter der hier tätigen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. In diesen Kursen werden – gemessen an internationalem Recht – die Menschenrechtsverletzungen in der Besatzung in Theorie und Praxis aufgezeigt werden. Durch diese Infoveranstaltungen will man die Teilnehmer/innen zum einen für diese Themen sensibel machen, es wird aber auch auf einen „Multiplikatoren-Effekt“ gehofft, in dem diese Mitarbeiter/innen ihre Erkenntnisse in ihre Heimatländer tragen. Die Gruppe Al Haq, die Amjad ebenfalls mit seiner Arbeit unterstützt, hat im September 2017 mit drei anderen palästinensischen Menschenrechtsgruppen, dem Staatsanwalt des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, bereits die vierte Mitteilung vorgelegt, in der nachgewiesen wird, dass hochrangige israelische Zivil- und Militärbeamte im besetzten Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.

Soldaten in der Altstadt von Hebron

Seit Palästina in der UNO im November 2012 als „Beobachterstaat“ anerkannt wurde, kann es beim internationalen Gerichtshof als Kläger auftreten. Derzeit wird in Den Haag in den Themenbereichen Vertreibung durch Besiedlung, Wasser und Gaza-Blockade geprüft ob eine Anklage erhoben werden kann. Mehr dazu findet der Interessierte Leser/die interessierte Leser/in hier

Mittlerweile bin ich wohlbehalten (bei ebenfalls Regenschauern) zu Hause angekommen.

Bitte schaut in den nächsten Tagen noch einmal in meinen Blog. Bevor ich wieder eine Schreibpause bis zur Begegnungsfahrt im November 2018 einlege, werde ich noch ein Fazit meines 12. Aufenthaltes in Palästina ziehen und einen Ausblick wagen.