Immer wieder treffe ich bei meinen Aufenthalten in Palästina junge Menschen die hier als Volontäre arbeiteten.

Da mich ihre Motivationen, aber auch ihre Erkenntnisse und Einschätzungen zum Konflikt zwischen Israel&Palästina interessieren habe ich immer mal wieder einigen die folgenden Fragen gestellt:

  1. Was war dein Grund für diesen Einsatz als Freiwillige/r- Warum bist Du hier?
  2. Welche für dich besonders wichtigen Erkenntnisse nimmst Du mit nach Hause?
  3. Wie denkst Du über den Konflikt Israel/Palästina?
  4. Was wirst Du machen wenn du nach Hause zurückkehrst?

Tent of Nations im November  2014

Simon und Johannes sind seit 2 Wochen auf dem Weinberg. Vorher waren sie knapp 2 Monate in Beit Emmaus.
Sie gehören zu einer Gruppe von 23 jungen Menschen, die vom  Deutsche Verein im heiligen Land (DVHL) an sechs verschiedenen Standorten in Israel&Palästina für ein Jahr entsandt worden sind.

Simon (18 Jahre)

Zu 1.
Für mich schon länger klar das ich mich nach der Schule für längere Zeit im Ausland aufhalten möchte. Die verkürzte Schulzeit (G 8) bietet ja leider wenig Möglichkeit dazu. Von meinen Eltern habe ich den Tipp mit dem DVHL bekommen. Das Vorbereitungsseminar hat mich überzeugt und ich fand das vorgeschlagene Arbeitsgebiet auf dem Weinberg für mich sehr attraktiv.

 

Zu 2.
Bis heute kann ich sagen, es war die richtige Entscheidung hier nach Palästina, aber auch speziell auf den Weinberg zu kommen. Bisher war alles super, von Heimweh keine Spur. In Beit Emmaus haben wir Abends mit den Jugendlichen des Dorfes Fußball gespielt, das verbindet direkt und problemlos. Spontan wurden wir auch von den Mitspielern nach Hause eingeladen. Hier auf dem Weinberg sind wir zwar nicht so unter Palästinensern, aber dafür kommen immer nette junge Menschen aus verschiedenen Ländern, die dann hier eine Zeit lang mit arbeiten. Das ist auch eine schöne Erfahrung.

 

Zu 3.
Ich halte den Konflikt zwischen Israel&Palästina für nicht lösbar. Die Palästinenser haben in allem die schwächere Position, die Israelis nutzen ihre Machtposition irgendwie aus. Zum Beispiel das hier in der C-Zone es für die Palästinenser keine Bauerlaubnis gibt, während die Israelis munter ihre Siedlungen ausbauen, finde ich gar nicht gut. Ich glaube die meisten jungen Menschen auf beiden Seiten wollen in Frieden, aber auch in Freiheit leben. Viele denke ich sind die schlechten Lebensumstände satt. Ich erinnere mich das mir ein Palästinenser in Beit Emmaus gesagt hat: ich würde gerne in andere Länder fahren und einmal in der AL Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem beten…

 

Zu 4.
Wenn ich nach Hause komme dann gibt es erst mal ein großes Schnitzel und Pommes, überhaupt mal wieder Schweinefleisch. Ich würde gerne ein duales Studium machen, eine praktische Ausbildung bei Bayer Leverkusen und ein Bachelor-Studium zum Chemikant. Auf jeden Fall möchte ich auch hier zum Weinberg zurückkehren. Mir st das sinnvolle Projekt schon jetzt ans Herz gewachsen.

 

Simon (li) und Johannes auf "ihrer" Scholle

Simon (li) und Johannes auf „ihrer“ Scholle

 

Johannes (18 Jahre)

ZU 1.
Ich hatte mit meiner Schule einen Schüleraustausch mit einer jüdischen Schule in Jerusalem. Ich war insgesamt zwei Wochen in Israel. Von daher hat mich das Land, aber auch die Politik interessiert und ich habe mich mit Konflikt zwischen Israel&Palästina intensiver beschäftigt. Von meinem Lehrer habe ich wegen der Möglichkeit ein soziales Jahr in dieser Region zu machen verschiedene deutsche Organisationen genannt bekommen. Das Vorbereitungstreffen des DVHL hat mir gut gefallen, so dass ich mich ür diese Organisation und deren Angebote entschieden habe. Die Projektstelle auf dem Weinberg erschien mir, der ich gerne körperlich arbeite sehr interessant. Auch das der Standort in der Westbank liegt fand ich gut, denn ich erhoffe mir hier die politische Situation am Besten beobachten zu können.

 

Zu 2.
Ich bin sehr zufrieden hier zu sein. Zwar war die Umstellung von Beit Emmasu zum Weinberg etwas schwierig, Jetzt bin ich aber froh hier zu sein. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die Menschen mit denen ich her arbeiten darf, sind total nett, und auch interessant, weil sie aus soviel anderen Ländern kommen. Auch die Arbeit ist nicht zu hart, wir können uns vieles am Tag gut einteilen, es herrscht ein lockeres entspanntes Arbeitsklima hier.

 

Zu 3.
Die Vorgehensweise von Israel finde ich falsch, mit solchen Unterdrückungsmethoden kann man keinen Frieden herstellen. Es sollte dch ein friedliches Zusammenleben möglich sein. Ich denke viele wollen in Frieden leben, „haben auf beiden Seiten die Schnauze voll“. Ich denke es sollte doch möglich sein das Land friedlich aufzuteilen, wenn nicht die religiösen Differenzen den Konflikt am Leben halten.

 

Zu 4.
Es wird für mich sicherlich eine große Umstellung wenn ich wieder in Deutschland leben werde. Beruflich weiß ich noch nicht was ich später machen will, vielleicht etwas mit „praktischer Arbeit“
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Beit Emmaus in der Zeit zwischen April und Juni 2013

Valentin (19 Jahre alt) ist von  August 2012 bis Ende Juli 2013 hier

1.      1.  Ich wollte nach der Schule eine „Auszeit“ nehmen, den „Tipp“ mit Beit Emmaus bekam ich von einem früher hier tätigen Volontär. Bisher hatte ich mir zu Palästina noch keine Gedanken gemacht.
 2. Ich habe gute Freundschaften mit anderen Volontären geschlossen. Meine Erfahrungen hier in Beit Emmaus im Zusammenleben mit der Schwesterngemeinschaft, den anderen Volontären und bei der Arbeit im Gelände/Garten waren gemischt, es gab positive und
weniger schöne. Insgesamt aber habe ich jetzt das Gefühl hier einen kleinen Teil meiner Lebenszeit sinnvoll ausgefüllt zu haben.
3..       Ich habe das Gefühl von „Mauern“ umgeben zu sein, der tatsächlichen Mauer und der in den Gedanken vieler Menschen auf beiden Seiten: sowohl in Israel als auch hier in Palästina.
4.       Ich freue mich da zunächst auf das Schweinefleisch und ein leckeres Bier (Köstritzer). Im Herbst will ich dann die Ausbildung als Krankenpfleger beginnen.

Valentin (li) und Carl

Carl ( 19 Jahre alt) ebenfalls von August 2012 bis Ende 2013 hier

1.       1.Schon sein Bruder hat an der Bethlehem Universität ein Volontär-Jahr absolviert,  in seiner Familie war der Konflikt Israel/Palästina deshalb schon länger ein Thema. Er wollte sich nun mit eigenen Augen selbst ein Bild machen und eine Meinung bilden.
2.       Ich habe im Bezug zum Konflikt erfahren was es heißt Palästinenser zu sein, hinter ein Mauer/Zaun zu leben, häufig durch einen Checkpoint zu müssen, zu ertragen das jüdische Siedler das Land stehlen eben unter einer Besatzungsmacht zu leben.
Bei der praktischen Arbeit konnte ich lernen wie ich mich auch unter schwierigen „Anleitungsbedingungen“ zurechtfinden kann/muss.
Ich war das 2. Mal länger von zu Hause weg und habe das Leben in zwei gegensätzlichen „Kulturen“ (westlich und arabisch) kennengelernt.
3.       Ich habe das Gefühl das es auf keiner Seite Bestrebungen gibt auf die andere Seite zuzugehen. Es ist alles „Eingefahren“. Die Palästinenser wollen keine Gespräche wegen der Siedler, die Israelis wegen der Terroristen die von Gaza aus Raketen auf Israel schießen.
4.       Ich freue mich darauf wieder in gewohnter Umgebung zu sein und meine Freunde zu treffen. Im Herbst will ich ein Studium in Sozial- und oder Politikwissenschaft beginnen.

Maria ( 25 Jahre alt) von Februar bis Juni 2013 hier

1.      1.  Israel und Palästina haben mich schon immer aus christlichen und politischen Gründen interessiert. Ich wollte zwischen dem Bachelor und dem Master Studium eine „Auszeit“ nehmen.
2.       Bezogen auf den Konflikt zwischen Israel/Palästina: Ich habe ihn besonders auf meinen Reisen gespürt. Viele Menschen wünschen sich hier den Frieden.
Hier im Haus habe ich viele nette Mitarbeiter/innen  und Bewohnerinnen kennenlernen dürfen.
In meiner Tätigkeit im Büro gab es positive Dinge wie z.B. die Auffrischung meiner Buchhaltungskenntnisse, aber auch nicht so angenehme Dinge wie chronische Unterforderung sowie fehlende klare Regelungen und (wertschätzende) Kommunikation.

Maria – hier in der Abraham-Moschee in Hebron

3.       Israel „nimmt“ sich was es will, Palästina will das zurück was ihm „gehört“.
Ich habe auf beiden Seiten viele Friedensbemühungen, aber auch viel Hass war genommen.
Die Soldaten an den Checkpoints haben sich mir gegenüber fast immer sehr freundliche verhalten.
Palästina hat eine korrupte „Regierung“, die schein bar kein „wirkliches“ Interesse hat sich für ihre Mitmenschen einzusetzen.
Einige Städte in Palästina (Ramallah, Bethlehem/Beit Jala und Nablus) haben in einigen Bereichen schon „westlichen“ Standard.
4.       In den nächsten Monaten werde ich ein Unternehmenspraktikum machen. Ab dem Herbst werde ich das Masterstudium „Theologie und Wirtschaft“ beginnen.

Klara (21 Jahre alt) vom  August 2012 bis Ende Juni 2013 hier

1.     1.   Ich wollte meinen „Horizont“ erweitern. Habe mich bewusst für diese Region/Westbank entschieden, hatte mich schon zu Hause mit dem Thema, dem Konflikt Israel/Palästina beschäftigt. Wollte konkret wissen wie es ist unter Besatzung zu leben.
Wollte mich aber auch nach einer ersten Studienphase „neu orientieren“, wollte Vorstellungen entwickeln, wie es mit mir und meinem Leben weitergehen kann.
2.       Viele Begegnungen mit den Menschen hier waren mir wichtig. Es hat mich immer sehr beeindruckt, dass die Menschen hier trotz der oft bedrückenden Erlebnisse, Lebensfreude ausstrahlen, Gastfreundlich sind. Immer ist Zeit für ein Gespräch (einen Kaffee). Das hier der Wert einer Beziehung höher eingeschätzt wird als die berufliche Karriere. Dass man viel weniger zum Leben braucht als man glaubt.

Klara

3.       Hatte insgesamt wenig hoffungsvolle Begegnungen. Erlebte Israelis in Gesprächen häufig als „Gehirngewaschen“. Da erzählte mir ein Soldat von seiner Arbeit und wie gut sie zu den Palästinensern seien, „wir geben ihnen sogar Wasser“…Ein anderes Erlebnis mit einem palästinensischen Service-Taxifahrer in der Zeit der Gaza-Offensive im November 2012. Sein Vater und Bruder seien von den Israelis getötet worden. Wenn nun auch seinen Kindern etwas passieren würde könne sich vorstellen als Selbstmordattentäter sich in Israel in die Luft zu sprengen. Oder die Begegnung mit einer Mitarbeiterin hier im Haus, deren ältester Sohn (21 Jahre) vor einem halben Jahr in einer nächtlichen Aktion  durch das israelische Militär abgeholt wurde und seit dem –ohne Anklage- im Gefängnis sitzt. Grund: er soll im Facebook gegen Israel geschrieben haben…
Ich habe insgesamt wenig Hoffnung auf eine friedliche Entwicklung hier, ich meine dass es schon in der Erziehung zu Hause und in der Schule anfangen müsste, aber das Gegenteil ist der Fall.
4.       Freue mich auf ein „normales“ Leben zu Hause. Das fängt damit an das ich nicht mehr so genau überlegen muss, was „darf“ ich anziehen…. Ansonsten werde ich ab dem Herbst weiter studieren, wahrscheinlich Sozialwissenschaften in Augsburg

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Tent of Nations im April/Mai 2012

In der Zeit die ich auf Dahers Weinberg verbracht habe waren insgesamt 6 Langzeit-Volontäre (vier Deutsche, eine Niederländerin und ein Däne) im Tent of Nations beschäftigt. Einige hatten nur ein Touristen-Visum –so wie ich-, das heißt nach 3 Monaten einmal ausreisen (z.B. nach Ägypten) und wieder einreisen, und man darf wieder 3 Monate im Land bleiben. Grundsätzlich wird einem geraten bei der Passkontrolle bei der Einreise nicht zu sagen das man plant sich im Westjordanland aufzuhalten bzw. z arbeiten, um sich Ärger und vor allem intensive Interviews zu ersparen. Volontärs die ihren freiwilligen Dienst ausschließlich in Israel machen bekommen ein „Volontär-Visum“ für ein Jahr.
Insgesamt eine muntere Truppe, die sich überwiegend in Englisch unterhielt. Bei den Mahlzeiten und auch bei der Arbeit wurde viel gelacht. Es wurde aber auch ernsthaft diskutiert, wobei die Themen breit gestreut waren, aber sich auch immer mal wieder beim Essen festmachten. Wen wundert das auch, sind die Mahlzeiten doch sehr einfach (natürlich ausschließlich vegetarisch), aber sofern sie von den Volontär`angerichtet wurden oft auch sehr liebevoll zubereitet. Da wurde schon mal laut an den Sauerbraten, den Gouda oder die Salami gedacht.

die sechs Volontäre

Es gibt schon einmal ein wenig Stress wegen der Arbeitsaufteilung, hier würde man oft ein planvolles arbeiten bevorzugen, hier wird aber von Daher – und wenn er anwesend ist von Daoud -oftmals kurzfristig neue Arbeitsaufträge erteilt. Auch der neue Versuch jedem Volontär einen festen Zuständigkeitsbereich für die Arbeit zu geben ist erst in den Anfängen und scheitert derzeit wohl häufig an besagter kurzfristiger Umorganisation der Arbeit.
Auch müssen die Volontäre hier – wie auch ich -ein kleines Entgelt abgeben was, in der Regel vom entsendenden Verein gezahlt wird. Einige haben sich zu Hause auch eine Unterstützergruppe gebildet, die dem Verein die mtl. Kosten für die Volontäre zahlt.

Sicherlich nicht nur mich interessant sind Motivation, Erkenntnisse nach dem Aufenthalt, Meinung zum Konflikt Israel/Palästina und die Zukunftsplanung der Volontäre. Ich habe deshalb alle kurz interviewt und ihnen die nachfolgende Fragen gestellt:
1. Was war dein Grund für diesen Einsatz als Freiwillige/r- Warum bist Du hier?
2. Welche für dich besonders wichtigen Erkenntnisse nimmst Du mit nach Hause?
3. Wie denkst Du über den Konflikt Israel/Palästina?
4. Was wirst Du machen wenn du nach Hause zurückkehrst?

Bernadette (19 Jahre) ist seit Juli 2011 hier und bleibt bis Juni 2012
1. Bin letztes Jahr mit der Schule fertig geworden und wollte nicht gleich studieren. Hatte die Idee irgendetwas handwerkliches zu machen. Eine Freundin hat mir vom Projekt auf einem Weinberg in Palästina erzählt, das fand ich cool. Ich habe mich dann weiter über das „Tent of Nations“ informiert.
Ich bin dann über den Verein Christliche Dienste( www.christlichedienste.de), der mir Flug, Versicherung und ein Taschengeld bezahlt hier hin gekommen
2. Ich bin besonders über das sehr einfache Leben hier beeindruckt, habe dabei für mich gemerkt das ich gar nicht so viel brauche wie ich dachte, außer vielleicht den persönlichen Freiraum, den ich aber hier auch gefunden habe. Auch habe ich hier ein Herz für die arabischen Kulturen und das Leben der Palästinenser gewonnen.
3. Ja der Konflikt ist hier im Alltag ständig präsent, er dringt so stark in das Leben der Menschen hier ein, hier kann man konkret sehen und auch fühlen was durch Politik gemacht und angerichtet wird. Habe einige tiefgreifende persönliche Lebensgeschichten kennengelernt.
4. Bisher war ich politisch eher desinteressiert. Wenn ich nach Hause komme werde ich mich auf jeden Fall mehr mit dem Thema Israel und Palästina beschäftigen. Ansonsten will ich im Herbst mit dem Studium, wahrscheinlich Architektur beginnen.

Bernadette und Benjamin wollen in 3 Tagen zu Fuß das Mittelmeer erreichen

Benjamin (20 Jahre) ist seit Oktober 2011 da und bliebt bis August 2012
1. Ich wollte lernen wie Menschen es schaffen, trotz über 60 Jahre dauernde Unterdrückung gewaltfreien Widerstand zu leisten. Ich war im Vorfeld über Hintergründe des Konfliktes informiert. Ich bin auch über den Verein Christliche Dienste entsandt worden.
2. Vor allem habe ich gelernt wie wichtig es ist, in seiner Heimat verwurzelt zu sein. Darüber habe ich hier erfahren, dass die Landwirtschaft für die menschliche Existenz von herausragender Bedeutung ist. Eine „gesundere“ Beziehung (nicht besitzen und ausbeuten) zu unserer Erde, die uns von Gott ja nur „geliehen ist“ könnte viele Konflikte -auch den zwischen Israel und Palästina- vermeiden helfen.
3. Meines Erachtens handelt es sich hier um einen typischen Konflikt zwischen einer westlichen Kolonialmacht und einer indigenen Bevölkerung. Es hat solche Konflikte in der Geschichte schon vielfach gegeben, und die streitenden Parteien könnten sich an den Lösungsmodellen die in anderen Fällen zur Befriedung geführt haben orientieren. Stattdessen wird dieser Konflikt bei vielen als ein einzigartiger betrachtet, und das nur weil die Israelis zufällig mal Juden sind.
4. Ich werde im Herbst das Studium in Theologie und Ökonomie beginnen. Darüber hinaus werde ich mich in nachhaltigen landwirtschaftlichen Projekten betätigen.

Anke (20 Jahre alt) ist seit Anfang März hier und bleibt bis im August 2012
1. Sie war schon einmal vor drei Jahren hier. Wollte gerne den Menschen hier wieder begegnen, sich aber auch über die Konfliktsituation vor Ort informieren. Da es nur wenige Möglichkeiten gibt für Volontäre in Palästina zu arbeiten ist sie hier im Tent of Nations gelandet.
2. Zu Beginn ihres Aufenthaltes hatte sie hier ein prägendes Naturerlebnis: Ankunft bei Schnee und Regen, Wasser in den Schlafhöhlen …Daraus hat sie die Erkenntnis abgeleitet das der Mensch gar nicht so viel braucht um zu Frieden leben zu können. Auch dass man mit etwas Einfühlungsvermögen beim Wasserverbrauch sparen kann findet sie eine wichtige Erfahrung. Heute denkt sie, dass die Menschen in Deutschland oft unzufrieden sind und sich über Kleinigkeiten aufregen. Im Lichte der Probleme mit denen die Menschen hier konfrontiert sind relativieren sich diese Probleme und werden klein und nichtig.
3. Ihr ist hier der Konflikt zwischen Israel und Palästina deutlicher geworden. Sie sieht den Einfluss des Westens auch auf die Politiker in Palästina. Letztlich glaubt sie aber haben die Menschen von außerhalb kein wirkliches Interesse an der Lösung des Konfliktes, sondern sehen nur ihre eigene Situation. Das lässt bei den Palästinensern die Erkenntnis reifen das man sich selber helfen muss. Vor diesem Hintergrund ist dieser Ort des Tent of Nations genau der richtige Ort für sie.
4. Nach ihrem Arbeitseinsatz hier will sie –wahrscheinlich in Ägypten- noch einen arabisch-Intensivkurs belegen und ab Herbst Politik-Wissenschaft in Verbindung mit Arabisch und Philosophie studieren.

Schlafhöhle der männlichen Volontäre

Franka (23 Jahre, Niederländerin), ist von 6.März bis zum 8. Mai hier
1. Wollte sich vor Ort informieren, speziell an einem solchen friedvollen Ort wie Tent of Nations
2. Hat hier konkreter etwas zum politischen Hintergrund des Konfliktes erfahren, weiß nun wie es wirklich ist, das Leben der Palästinenser hinter Mauern. In den Niederlanden wird speziell in den Medien nur die eine (israelische) Sicht des Konfliktes gezeigt. Daher findet sie es auch sehr gut das das Tent of Nations viele Gruppen besuchen– auch aus den Niederlanden –und sich so ein eigenes Bild machen und eine eigene Meinung bilden können.
3. Er macht sie traurig und wütend zu gleich, dass in vielen Ländern die Auswirkungen des Konfliktes (Mauerbau, illegale israelische Siedlungen, Häuserabrisse und sonstige Schikanen gegen das Palästinensische Volk) zu Kenntnis genommen, und man dann zur Tagesordnung übergeht und sich mit seinen Problemen beschäftigt. Sicherlich sei eine Lösung sehr schwer, aber sie muss sich zunächst in den Köpfen der beteiligten Menschen entwickeln. Erst wenn der Israeli/der Palästinenser im anderen den Nachbar sehen kann, kann sich der Frieden entwickeln. Denn für sie ist klar, dass nur ein gemeinsames Leben in einem Staat letztlich die Lösung sein kann.
4.Ich werde mein Bachelor-Studium in Bio-Medizin beenden und möglichweise später noch ein Pädagogikstudium anhängen um als Lehrerin mit den Fächern Biologie und Religion zu arbeiten.

Anke verabschiedet Franka (links) mit einem kleinen Geschenk

Björn (24 Jahre aus Dänemark) ist vom Februar bis im Juni in Palästina, davon hier im Tent of Nations 4 Wochen bis Anfang Mai
1. Wegen des geplanten Medizinstudiums wollte es hier in Palästina erste Einblicke in die medizinische Betreuung bekommen und hat deshalb zunächst in diesem Bereich gearbeitet. Um auch ein wenig praktisch Arbeit leisten zu können ist er hier ins Tent of Nations gekommen. Er hatte erst hier in Jerusalem von anderen Volontären den Tipp bekommen.
2. Er hat viel über die Menschen hier, deren Kultur aber auch über die Politik erfahren, weniger allerdings konkret wissenswertes für sein Medizinstudium. Dafür viele andere wichtigen Dinge. Er kommt aus einer Stadt. Von daher sind auch die Eindrücke die er hier von dem sehr einfachen Leben auf dem Lande erhalten hat für ihn besonders wichtig.
3. Israel übt hier die kollektive Bestrafung aus. Die Menschen leben hier in zwei Klassen.
Israel hat kein wirkliches Interesse an einer Lösung. Er denkt das es aus der Bevölkerung selbst heraus kommen muss in dem sie Politiker auf beiden Seiten wählen die den Frieden wirklich wollen.
4.Ich werde mein Medizin-Studium beginnen.

Björn,rechts, der Beste „unter Tage“ vor „seiner“ Zisterne

Jonathan (21 Jahre) ist vom Oktober 2011 bis August 2012 hier
1. Kommt ebenso wie Anke über den Deutschen Verein vom Heiligen Lande (www.heilig-land-verein.de) als Volontär nach hier. War schon einmal mit seinem Vater 2006 in Israel und Palästina fand das Leben hier faszinierend. Hat nach dem Abitur 6 Monate Zivildienst im Kindergarten gemacht und wollte im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) gerne was Praktisches tun.
2. „Israel ist nicht das Heilige Volk und die Palästinenser sind nicht alle Terroristen“
Ich kann weiter machen auch wenn ich mal ein Motivationstief habe. Habe gelernt mit viel weniger aus zu kommen (z.B. nur einmal in der Woche duschen)
3. Habe den Eindruck das beide Seiten an einer Lösung nicht interessiert sind, auch nicht die palästinensische, auch dort haben sich die politisch Verantwortlichen es „sich eingerichtet.“ Den „demokratische Wind“ des „arabischen Frühlings“ hat man hier, mit Verweis auf die Israelis und deren Unterdrückung, verfliegen lassen. Er denkt auch das die politisch Verantwortlichen wissen, dass, wenn es zu einem Staat käme, und eine andere Möglichkeit sieht er nicht, viele möglichweise ihren politischen Posten los sein.
4. Ich werde im Herbst mit dem Bachelor-Studium in der Not-Katastrophenhilfe beginnen. Die Idee kam mir hier in Palästina durch einen Kontakt mit einem anderen Volontär.

Jonnathan bei der verdienten Mittagspause