Aktuell: Zerstörung eines Restaurants bei Beit Jala durch israelische Streitkräfte

trotz allem Elend: gastfreundliche Palästinenser

In den letzten Tagen habe ich ja eher von den schönen Seiten hier in Palästina berichtet. Heute nun holte mich die rauhe, friedlose und traurige Realität wieder ein.
Als ich gestern hier bei Faten Mukarker in Beit Jala ankam haben sie es mir schon erzählt: vor einigen Tagen ist hier ohne große Ankündigung wieder ein Haus zerstört worden. Ein beliebtes Restaurant am Stadtrand von Beit Jala, mit wunderschönem Blick auf die Landschaft von Judäa, schaut hierzu mein Bild zum Ende meines Blogs von gestern.

Am 5.Mai gewaltsam in Trümmern gelegt

Heute bin ich nun mit Faten und ihrem Mann Nicola an den Ort des Geschehens. Am 5. Mai kamen die Bagger und haben wie man sehen kann ganze Arbeit geleistet. Das Gebäude des Restaurants stand 12 ½ Jahre und war die einzige Einnahmequelle einer Großfamilie mit mehr als 20 Personen.

Das Geschirr steht im Freien

Die Besitzer wissen nicht wie es weiter gehen soll. Auch das Wohnhaus auf dem Gelände ist vom Abriss bedroht. Wenn man sich umschaut dann weiß man warum hier – auf palästinensischem Gebiet!!- kein palästinensisches Haus stehen soll… Hier ist der Ausbau der israelischen Siedlungen geplant.

das Wohnhaus ist auch vom Abriss bedroht

Ich hatte es ja schon erwähnt, in der Zone C, und dazu gehörte das Gebiet wo das Haus stand, bedarf es einer Genehmigung der israelischen Verwaltung, die lag in diesem Fall, wie häufig bei bauten der Palästinensern nicht vor. Es werden vor allem deshalb keine Anträge gestellt, weil in der Regel der Antrag abgelehnt wird. Und wie bekannt die israelischen Siedler bauen ohne Genehmigung und verstoßen dabei u.a. auch gegen die Genfer Konvention (Artikel 53) die sie selbst mit unterzeichnet haben…

Wie soll es weiter gehen? Einer der Besitzer im Gespräch mit Ehepaar Mukarker

Wer Bilder vom Abriss sehen will kann hier schauen:
www.palestinalibre.org/articulo.php?a=38709

Übrigens: Diese für die betroffenen Familien so tragischen Gewaltmaßnahmen wollen engagierte Israelis nicht länger mit ansehen. Sie haben das „Israelische Komitee gegen Hauszerstörung“ gegründet. www.icahd.org Diese Organisation versucht Hauszerstörungen zu verhindern oder Häuser wieder aufzubauen – häufig genug erfolgt erneut die Zerstörung, manchmal sogar mehrfach. Seit Beginn der Besetzung des Westjordanlandes (1967) sind etwa 18.000 Häuser abgerissen worden.

trotz allem Elend: gastfreundliche Palästinenser
Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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