Ich werde öfters Mal gefragt, warum ich mich seit Jahren (unbeirrt) immer wieder auf den Weg machen, die Menschen in Palästina (aber auch in Israel) zu besuchen. Die meine Blogberichte regelmäßig verfolgen, können (hoffentlich) schon selbst eine Antwort auf diese Frage geben. Es ist für die Menschen die ich dort treffe eben so wichtig, mit uns/mir in Kontakt zu sein und zu bleiben. Sicherlich, wirklich etwas ändern kann ich durch meine Besuche nicht, aber eben doch zum Ausdruck bringen: ich vergesse euch nicht, Euer Leben ist mir wichtig, ich gebe Euch nicht auf, ich werde weiterhin in Deutschland von eurem Schicksal berichten, werde mich politisch für eine Verbesserung Eurer Situation einsetzen.

zufällige Begegnung am neuen „Wachturm“ am Damaskustor

Am vergangenen Samstag, hatte ich Gelegenheit mit Pater Elias von der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem zu sprechen. Ich hatte mit ihm in den letzten Jahren schon mehrfach Kontakt, zuletzt mit meiner Gruppe im November 2017.
Es ist immer wieder interessant mit solchen Menschen zu sprechen, die schon lange hier sind (Elias ist seit mehr als 17 Jahren in der Mönchsgemeinschaft in Jerusalem).

Mit Blick auf die aktuellen (schlimmen) Ereignisse an der Grenze zum Gazastreifen meinte Pater Elias: Der Israel&Palästina Konflikt kommt in eine neue Phase. Er wird sich in Gaza weiter entwickeln und (möglichweise) dort entscheiden. Die Menschen dort stehen mit dem Rücken an der Wand (am Wasser). In der Westbank sieht es ein wenig anders aus: dort geht es vielen Menschen wesentlich besser. Deshalb waren und sind die Reaktionen zum Beispiel auf die Trump Entscheidung zu Jerusalem, oder auch jetzt zu den Vorfällen in Gaza, (eher) moderat. Man protestiert, aber eben nur ein wenig. Viele haben es sich doch schon ganz gut eingerichtet in der Westbank, haben also auch etwas zu verlieren. Im Gazastreifen wo sich die Zahl der Einwohner, in der Zeit in der ich hier im Kloster in Jerusalem lebe, mehr als verdoppelt, auf jetzt fast 2 Mio Menschen. Der UN-Bericht hat angezeigt, dass in ein paar Jahren dort kein Leben mehr möglich ist. Was haben also diese Menschen zu verlieren.

Was braucht man mehr…?

Ministerpräsident Netanjahu gelingt es, nach Meinung von Pater Elias, immer sehr geschickt, von sich und seinen persönlichen Problemen (Korruptionsaffäre), abzulenken. Auch er Netanjahu weiß, dass auf Israel schwere Zeiten zu kommen werden, aber jetzt wird erst einmal der 70. Jahrestag der Gründung Israel gefeiert. Aber es geht auch vielen Menschen hier in Israel wirtschaftlich sehr schlecht. Leider suchen diese Menschen, wie auch in Deutschland, „ihre Rettung“ bei den rechten Parteien. Auch hier in Israel traut man es den Sozialdemokraten nicht zu, das Problem der Armut in den Griff zu bekommen.

Überhaupt wird der Staat Israel bald Bankrott sein, wenn die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen weiter steigen (und sie werden steigen). Soweit zu den, wie ich finde, interessanten Einschätzungen des Pater Elias.

jeder Olivenbaum (hier an der Altstadtmauer), zeugt von Widerstandskraft und Genügsamkeit

 

Da Pater Elias in unserem Gespräch noch einmal auf die schlimmen Vorfälle an der Grenze zum Gazastreifen aufgegriffen hat, über die ich ja in den vergangenen Tagen schon mehrfach mich geschrieben habe, möchte auch ich noch etwas zu diesem Thema hinzufügen.

Ich bin als Vertreter für die Nahost-Kommission von pax christi im Sprecherkreis des Deutschen Koordinationskreises Palästina Israel (KoPI)
Zu der aus unserer Sicht absolut schwachen „Stellungnahme“ der deutschen Bundesregierung haben wir Ende letzter Woche eine Stellungnahme verfasst. Hier geht es zur Homepage und zur Presseerklärung von KoPI.

Außerdem habe ich mich entschlossen einen weiteren Gastbeitrag zu Gazakonflikt in meinen Blog aufzunehmen. Der gebürtige Palästinenser Dr. Abed Schokry lebte 17 Jahre in Deutschland und promovierte an der TU Berlin. 2007 erhielt er einen Ruf an die Universität Gaza/Palästina und kehrte mit seiner Familie in seine Heimat zurück. Seitdem lebt er dort und lehrt als Dozent Wirtschaftsingenieurwesen. Seit dieser zeit kommt er hier und da zu Vorträgen nach Deutschland oder er schreibt zu aktuellen Ereignissen „unter die Haut gehende“ Briefe. So sein Brief vom 8. April aus der letzten Woche der sich mit an den beiden letzten Freitagen beschäftig. Er beginnt mit den Worten: „Ich bin verzweifelt und auch wütend“
Wer sich Zeit nimmt diesen Brief zu lesen, wird auch wütend darüber sein, dass sich scheinbar keiner (auch hier in Deutschland) wirklich mit diesen unglaublichen Vorfällen auseinander setzt.

eine andere „Grenze“:
zwischen Jerusalem und Ramallah

In diesen Tagen erschien auch der Bericht der jungen Redakteurin Elisa-Reinheimer-Chabbi in Publik Forum. Dieser Beitrag  ragt einsam aus  der Masse der deutschen  Medien heraus, weil er  nicht nur „Hamas! Hamas! Hamas!“ ruft, sondern  die  verzweifelte Situation der Palästinenser in Gaza und die menschenverachtende Reaktion der israelischen Armee thematisiert.

 

der Schlüssel erinnert überall in Palästina an die Nakba – die Katastrophe

 

 

Ich hatte meine diesjährige Frühjahrsreise, vor dem Hintergrund der in einigen Wochen (15. Mai) stattfindenden 70. Wiederkehr des Tages, an dem die palästinensische Bevölkerung sich der Flucht und Vertreibung aus ihren Heimatorten im jetzigen Israel erinnert, vor allem dem Thema der Folgen und der aktuellen Situation der damals geflohenen Menschen gewidmet. Ich habe für interessierte Leser/innen meines Blog unter der Sparte Historie und Besatzung die historischen Fakten und die demographische Realität eingestellt.

 

 

 

 

Ich möchte meine Blogberichte nicht mit diesen eher düsteren und hoffnungslosen Meldungen schließen.

Vor einigen Tagen jährte sich der Tag zum 50. Mal, an dem der große Amerikaner Dr. Martin Luther-King ermordet wurde. In diesen Tagen des Gedenkens wurde natürlich oft auf seine berühmte Rede vom 28. August 1963 erinnert, deren inhaltliche Zusammenfassung mit diesen vier Worten gelingt: „I Have a Dream“

Es wundert sicherlich nicht, dass ich in den letzten Tagen, mit Blick auf die Situation der Menschen hier in Palästina, oft an diese Rede denken musste. Gerade diese Passagen, in denen Martin Luther-King von seinem Traum spricht:

……..Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt werden. Die unebenen Plätze werden flach und die gewundenen Plätze gerade, und die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Dies ist unsere Hoffnung. Dies ist der Glaube, mit dem ich in den Süden zurückgehen werde. Mit diesem Glauben werden wir den Berg der Verzweiflung behauen, einen Stein der Hoffnung. Mit diesem Glauben werden wir gemeinsam arbeiten können, gemeinsam beten können, gemeinsam kämpfen können, gemeinsam in das Gefängnis gehen können, um gemeinsam einen Stand für Freiheit mit dem Wissen zu machen, dass wir eines Tages frei sein werden.

 

Seine Rede, seine als Traum bezeichneten Hoffnungen für die Zukunft der farbigen Bevölkerung in den USA, waren damals für Viele ein Mut machendes Signal, nicht aufzugeben, unbeirrt sich weiter mit friedlichen Mitteln für gleiche Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.

Wer die ganze Rede (noch einmal) lesen möchte, hier ist der Link

Ich habe einen Traum:
aus dem Damaskustor kommt man in das Regierungsviertel des Staates Palästina

Ich werde nun diese Blog-Kapitel schließen. Anfang November 2018 werde ich, vor Beginn meiner nächsten Gruppenreise, das nächste Kapitel dieses Blogs aufschlagen. Ich würde mich freuen wenn sie dann wieder dabei sind.

Shalom&Salam