Heute am zweiten Tag unserer Reise sind wir nach Nazareth gefahren. Für die Christen ist dies der Ort wo „der Engel des Herrn“ Maria die Botschaft gebracht haben soll, dass sie Jesus, den Sohn Gottes empfangen wird.

Ich verbinde mit dem arabischen Ort Nazareth, seit meiner zweiten Gruppenfahrt 2014, mit dem Namen Nabila Espanioly, der Gründerin und Leiterin des Kinder- und Frauenzentrums „Al Tufula“. 1984 hat eine Gruppe palästinensische Frauen mit der (ersten) Einrichtung einer Kinderkrippe begonnen. Während damals 12% der Kinder in Nazareth in den Kindergarten gingen, sind es heute 87%.  

Nabila: wie immer „ansteckend“ kämpeferisch

Im vergangenen November hat sie mit vielen anderen Frauen, zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11., den ersten Frauenstreik in Israel organisiert.  Insgesamt waren 75 verschiedene Frauenorganisationen, (jüdische und arabische) beteiligt. Aktueller Anlass war die Ermordung von 25 Frauen im letzten Jahr, Jüdinnen wie Araberinnen. Es gab, wie sie betonte „energievolle“ Aktionen im ganzen Land. Der Höhepunkt eine große Veranstaltung auf dem Rabin-Square in Tel Aviv.

Nabila, über deren segenreiches und vielfach auch erfolgreiches Tun ich in diesem Blog schon oft berichtet habe, erzählte heute von den aktuellen Aktivitäten.

„Nebenbei“ erzählte sie von soviel unterschiedlichen Aktivitäten, die alle dem Ziel untergeordnet sind die Rechte aller Frauen zu stärken. Sie versucht politische Bündnisse zu schmieden um Gesetze durch das israelische Parlament, die Knesset zu bringen.Sie sieht die arabischen Frauen in dreifacher Hinsicht diskriminiert: als Frau ganz allgemein, dann als arabische Frau in Israel und eben auch als Frau in der arabischen Gesellschaft..
Sie wiederholte gegenüber meiner Gruppe die Wurzel (Grundlage) ihrer Aktivitäten:

Als sie als junge Frau beim ersten Versuch für das Sozialarbeiterstudium aufgenommen zu werden, gescheitert war, hat sie zu Hause bitterlich geweint. Eine ihrer 7 (!) Schwestern hatte damals zu ihr gesagt:
Wenn Du weinst, weinst Du alleine“

Von da an hat sie sich zu einer kämpferischen  Feministin entwickelt, die, wie ich bei unserem letzten Besuch 2017 erfuhr, als eine von 1.000 Frauen aus der ganzen Welt für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden ist.

Es ist also dem/der Leser/in dringend empfohlen, sich in meinem Blog oder über andere Internet Informationen mehr über diese tolle und so kraftvolle Frau zu informieren.
Meine Geburtstagsgäste im Oktober, haben mit einer Spende (statt Geschenk), dieses tolle Projekt in Israel großzügig unterstützt. Ansonsten bekommt Al Tufula auch Gelder von den kirchlichen Hilfswerke Misereor und  dem Kindermissionswerk.

Nazareth: eine christlich-arabische Stadt in Israel

Natürlich haben wir uns in Nazareth, nach dieser tollen Stunde bei Nabila auch die große Verkündigungskirche angeschaut. Hier waren wir dann wieder im Kreise Hunderter Pilgerer, wie schon am frühen Morgen in der „Hochzeitskirche“ zu Kanaa.

selbst Tulpen blühen hier

Zum Nachmittag haben wir den herrlichen Frühlingstag genutzt,  sind in einem wunderschönen Park, durch „blühende Landschaften“ gewandert . Zunächst hatten wir  wir uns mit einem Picknick, zusammengestellt von unserem Fahrer, gestärkt hatten.

Für viele war gerade dieser Nachmittagsspaziergang ,durch die herrliche Frühlingslandschaft, ein besonderer Höhepunkt des Tages.

Picknick in blühender Landschaft

Zum späten Nachmittag hat uns dann ein Mitglied des gastgebenden Kibbutz erzählt, wie es sich auch im Jahre 2019 in einem Kibbutz (gut) leben lässt. Dieser Kibbutz ist einer der wenigen in Israel, in dem noch nach den alten demokratischen Grundsätzen ein Gemeinschaftsleben organisiert ist, wo beispielsweise alle arbeitenden Mitglieder, ihren Verdienst abgeben und pro Mitglied dann 4.000,- Schekel mtl. (als Taschengeld) bekommen. Überraschend war für mich die Info, dass hier wieder ein Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen ist. In den letzten beiden Jahren haben sich jeweils 10 Familien dem umfangreichen „Bewerbungsverfahren“ unterzogen- Oft sind es die Kinder, die einst hier groß0 geworden sind, dann zum Studium und danach außerhalb gelebt haben. Wenn sie dann eine eigene Familie gegründet haben „erinnern“ sie sich an die schöne Zeit in diesem paradiesischen Refugium.
Wer mehr über das Leben hier in Shar Hagolan erfahren will schaue in meine Blogaufzeichnungen der letzten Jahre

Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“

Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.(Dt.6,4-5)