Heute morgen haben wir uns wieder auf die kurze Fahrt von Bethlehem nach Jerusalem begeben (7 km). Normalerweise sind wir mit dem Bus durch ein Tor der Mauer gefahren, heute haben wir einen anderen Weg genommen – den, den die Palästinenser, die eine Erlaubnis haben nach Jerusalem zu fahren, üblicherweise nehmen müssen: Zu Fuß durch den Checkpoint.

Checkpoint 300 in Bethlehem

Checkpoint 300 in Bethlehem

Nach den notwendigen Verhaltenshinweisen an die Gruppe: keinen Rucksack, keine Fotos im Gebäude, Pass griffbereit haben wir den Gang begonnen. Normalerweise stehen hier ab 3.00 Uhr die bis zu 4.000 Palästinenser in langen Schlangen um sich durch den Checkpoint mit seinen schmalen Gängen, eisernen Drehkreuzen und Durchleuchtungsanlagen zu drängen. Während es in den Morgenstunden üblicherweise bis zu 2-3 Stunden dauern kann waren wir nach 15 Minuten durch dieses Grenzlabyrinth. Es kamen uns immer wieder Palästinenser entgegen die augenscheinlich von den Grenzsoldaten zurück gewiesen wurden.

Wir hatten uns heute mit Reuven Moskovitz verabredet, einen rumänischen Juden, der 1948 nach Israel gekommen ist und sich seit dem mit vielen Aktion in Israel für Frieden und Aussöhnung eingesetzt hat. Für sein großartiges Engagement hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten so auch den Aachener Friedenspreis 2003. Weiteres hier

Reuven hat uns zwei Stellen in Jerusalem und der näheren Umgebung gezeigt, denen man ihre besondere Bedeutung als Besucher nicht ansieht. Zum einen kamen wir an einen Ort wo bis 1948 ein palästinensisches Dorf Deir Jasisn war. Hier wurden im April 1948 Hunderte von Palästinenser durch jüdische Untergrundgruppen ermordet. Dieser Progrom führte in der Folge zur massenhaften Flucht vieler Palästinenser in die benachbarten Staaten aus Furcht vor ähnlichen Gewalttaten. Heute erinnert nichts mehr an den Ort. Auf dem Gelände ist ein großes Krankenhaus erbaut worden.

mit Reuven erlebte Geschichte

mit Reuven erlebte Geschichte

An einer anderen Stelle, dort wo das schon in der Bibel in der Ostergeschichte beschriebene Dorf Emmaus stand, ist heute nur noch ein großes Parkgelände zu sehen. Hier hat die israel. Armee im 6 Tagekrieg im Juni 1967 die palästinensische Bevölkerung verjagt. Sponsoren aus vielen Ländern haben für dieses Parkgelände gespendet und sind auf zahlreichen Marmortafeln „verewigt“. Eine israelische Gruppe hat Geld gesammelt und hat damit einen Prozess am obersten Gerichtshof in Israel ermöglicht der beschied das am Park eine Tafel zum Gedenken an das zerstörte Dorf Emmaus angebracht werden musste. Seit Jahren wird die Tafel angebracht, zerstört, angebracht….

Insgesamt wurden mehr als 500 palästinensische Dörfer in Israel zerstört.

auf dem Mahane Yehuda Markt

auf dem Mahane Yehuda Markt

 

Anschließend machten eine kurze Fahrt mit dem Bus durch das jüdisch-orthodoxe Viertel Mea Shearim in Jerusalem. Von Reuven bekamen wir einige der Besonderheiten des jüdischen Lebens und der jüdischen Kleidung erläutert. Weitere Infos zu Mea Shearim hier

Zum Abschied gab uns Reuven mit dem Hinweis auf die drei Säulen des Judentums: „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden“ mit auf den Heimweg, dass viele israelische Politiker gemessen an diesen Grundsätzen keine Juden sein könnten.

Anschließend haben wir –mal wieder- eine etwas außergewöhnlichen Programmpunkt unternommen: den Besuch des zentralen Jerusalem-Marktes Er ist für für viele Jerusalemer Juden die hervorragende Möglichkeit all das zu kaufen was man für den Schabbat benötigt. Für uns Besucher/innen ein Augen-,Nasen- und Ohrenschmaus. Ich kenne keinen Markt der eine solche Vielfalt an Lebensmittel anbietet, auf dem man aber auch so unterschiedlich gekleidete Besucher/innen begegnen kann. Heute allerdings war, bedingt durch die zwei Feiertage in dieser Woche eine fast beängstige Enge in den Markthallen

Am Nachmittag hatten wir ein Gespräch mit Bruder Ignatzius, einem deutschen Benediktiner, der im Kloster

Dormitio Abtei auf dem Zionberg

Dormitio Abtei auf dem Zionberg

Dormitio auf dem Zionsberg lebt und arbeitet. Er hat uns einiges zum Klosterleben und zu den Aufgabe erzählt, die sich für den Konvent in der besonderen Situation hier in Jerusalem, in der „Nahtstelle“ zwischen Israel und Palästina ergeben. Das Kloster bietet sich mit seinen Räumlichkeiten als neutraler Ort für Gespräche, Konzerte und anderer Aktivitäten an, bei dem sich Moslems und Juden, Israelis und Palästinenser begegnen können. Die Mönche verstehen dieses Angebot als kleinen Beitrag der die zum Frieden zwischen den streitenden Völkern führen soll.
 Weitere Informationen zum Dormitio-Kloster hier und zu den Friedensgebeten die jeden Mittag im Kloster gebeten werden hier