Heute werde ich mich nach 40 Tagen Aufenthalt in Palästina wieder auf den Heimweg machen.
In den nächsten Tagen werde ich versuchen noch ein abschließendes Resümee dieses Aufenthaltes zu schreiben.

Der aktuelle Aufruf von Reuven Moskovitz und anderen, zu einer Mahnwachen am 29. November 2014 ( dem Tag der Entscheidung der Vereinten Nationen vor 67 Jahren, in Palästina zwei Staaten zu gründen). wird unter anderem mit den aktuellen Geschehnissen in Silwan, einem Stadtteil in Ostjerusalem begründet. Ich habe in den letzten Wochen mich mehrfach in Silwan umgesehen.

Silwan in Ost-Jerusalem

Silwan in Ost-Jerusalem

Am Fuß des Tempelbergs, gleich hinter den Mauern der Altstadt, beginnt Silwan, das mit rund 50.000 Palästinensern eng bewohnte palästinensische Stadtviertel, in dem einst der jüdische König David gelebt haben soll. Silwan, das biblische Siloah, war ein arabisches Dorf, das an Jerusalem angeschlossen wurde, als Ost-Jerusalem nach dem Sechs-Tage-Krieg von Israel annektiert wurde. Seit Jahren versucht eine Siedlervereinigung mit Namen „Elad“ diesen Stadtteil mit einer jüdischen Bevölkerung zu „unterwandern.“

Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, dass häufig die Gebäude von ihren palästinensischen Besitzern an einen anderen Palästinenser verkauft wurden, der sie dann an die jüdische Gruppe verkauft habe.  Ende letzten Monats zogen mehrere jüdische Familien in die Gebäude in Silwan.

Was der israelische Präsident euphemistisch „Umzüge“ nennt, beschrieb die Israel-Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, Inge Günther, folgendermaßen:

und mitten drin jüdische Siedler

und mitten drin
jüdische Siedler

„Es war stockfinstere Nacht, als eine Gruppe männlicher Siedler, bepackt mit Kisten und flankiert von israelischen Grenzpolizisten und vermummten Spezialeinheiten die beiden Wohnungen im ersten Stock in Beschlag nahmen. ‚Wir wachten auf, völlig schockiert‘, berichtet die vierzigjährige Um Mohammed Hayat, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Parterre, lebt. ‚Ich glaube an Frieden. Aber das ist ein Familienhaus.

Da können doch Fremde nicht einfach erzwingen, hier einzuziehen.‘ Bei ihrer nächtlichen Aktion reklamierten die Siedler diese Woche auf einen Schlag gleich 23 Wohnungen in Silwan. Brecheisen brauchten sie nicht. Sie hatten passende Schlüssel dabei, nur in einem Fall brachen sie die Tür auf und warfen die Bewohner auf die Straße. (…) Die Gebäude, haben in den letzten vier Monaten leergestanden.Der Einzug, erhöht die Zahl der in Silwan lebenden jüdischen Familien auf 17.
„Durch schleichende Übernahme haben sich über die Jahre hinweg bereits rund 400 israelische Siedler in ihrer Mitte niedergelassen, um sich herum Hochsicherheitszäune gezogen sowie  Kameras und Wachposten auf den Dächern postiert“ (FR, 4.10.2014).

Bewachung mitten im Wohngebiet

Bewachung mitten im Wohngebiet

Neben dieser geplanten „Besiedlung“ stehen 88 Häuser, die rund 1.500 Palästinenser beherbergen, unter sofortigem Abrissbefehl. Sie sollen Platz machen für einen archäologischen Park. Damit bestätigt sich auch hier in Silwan die Methoden,wie sie bei der Ostjerusalemer Führung durch die Gruppe „Ir Amin“ beschrieben wurden (Bericht vom 28. Oktober): entweder werden die Häuser „legal“ verkauft, oder durch Abrissbefehl zerstört, der eben die Notlage der Besitzer führt zum Verkauf.

„Statt unseren Müll wegzuräumen, kaufen sie Bulldozer“

Die Straßen von Silwan sind schmutzig, in manchen Ecken riecht es scharf nach Abwasser. Leere Plastiktüten und Konservendosen liegen auf dem Bürgersteig. „Wir zahlen städtische Abgaben“, schimpft Fakhri Abu Diab, ein Aktivist des palästinensischen Komitees (http://silwanic.net) zum Schutz der Häuser von Silwan, „aber anstatt unseren Müll wegzuräumen, kaufen sie Bulldozer, um unsere Häuser abzureißen.“ Das Büro des Komitee`s bietet dem Besucher unter anderem Informationen zur Geschichte des Dorfes. Damit soll verhindert werden das Andere (zum Beispiel die Siedlerverbände) die Geschichte des Dorfes verfälschen.

Dass der Unmut vor allem sehr junger Palästinenser nun fast täglich in Straßenkämpfe mündet, schiebt der 52-jährige Aktivist auch dem jüngsten Zuzug national-religiöser Israelis in das Viertel zu. „Es ist eine Entwicklung, die uns jeden politischen Horizont raubt“, sagt der Palästinenser. An den drei umstrittenen Häusern wehen provozierend blau-weiße Nationalflaggen mit dem Davidstern.

"Alles im Blick" Beobachtungsballon über Silwan

seit Wochen: „Alles im Blick“
Beobachtungsballon über Silwan

 

 

 

Über allem schwebt seit Wochen ein Ballon mit einer Kamera, mit der alles, was in Silwan passiert, beobachtet und festgehalten werden kann.